Stephan Luca: „Tennis ist mein Aus-Knopf“

Als Schauspieler verkörpert Stephan Luca oft starke Helden, im wirklichen Leben bewundert er Roger Federer. Ein Gespräch über Tennis als Teil des Erwachsenwerdens – und des Älterwerdens.

Stephan, der Blick auf Ihren Instagram-Kanal schüchtert schon fast ein. Sie klettern, wandern, surfen, fahren Ski, spielen Fußball und scheuen auch keinen Triathlon. Welchen Platz hat da noch der Tennissport?

Tennis hat für mich einen großen Stellenwert, weil ich – neben dem Skilaufen – mit dieser Sportart groß geworden bin. Meine Eltern wollten meinen Bruder und mich damals von der Straße weghaben, damit wir keinen Unsinn anstellen (lacht). So sind wir fast jeden Tag nach der Schule in den Tennisclub gegangen, um dort Hausaufgaben zu machen. Danach hat uns die rote Asche gelockt. Der Court war unser Spielplatz – und zugleich ein Ort der Geborgenheit und Sicherheit.

Was haben Sie durch den Sport gelernt?

Viele prägende Erlebnisse haben sich in diesem kleinen Kosmos Tennisverein abgespielt: Dort habe ich erste Turniere gespielt und mir damit den Respekt der anderen verdient. Ein weiterer Meilenstein war, bei der 1. Herrenmannschaft mit zu trainieren und dann auch beim anschließenden Gespräch am Tresen im Clubhaus ernst genommen zu werden. Ebenso wichtig war es, den Trainerschein zu machen und das erste Geld mit Trainerstunden zu verdienen. So konnte ich auf und neben dem Platz Selbstvertrauen aufbauen. Ich habe dem Sport also viel zu verdanken.

 
„Tennis hat eine soziale Komponente“

Stephan Luca

Wieviel Freizeit verbringen Sie heutzutage noch auf dem Tennisplatz?

Ich spiele wieder mehr. Es gab so eine Phase, da habe ich jahrelang gar nicht gespielt. Das ging los mit dem Umzug nach Hamburg, als ich Student an der Schauspielschule wurde. Ich hatte nicht mehr wirklich die Zeit und das Geld – und die Muße dafür. Inzwischen stehe ich aber wieder viel und gerne auf dem Platz, genieße jeden Moment.

Also spielen Sie auch mal während längerer Drehs?

Die Produktionen befinden sich teilweise sehr weit im Ausland, in Mexiko oder sogar in Japan – da nehme ich den Tennisschläger immer gerne mit. Das ist dann manchmal so ein bisschen wie Facebook in echt, wenn ich ohne Anmeldung in einen Tennisclub spaziere und Leute anspreche, ob sie mit mir spielen wollen. In Spanien habe ich das mal gemacht, da saß ich drei Tage später mit dem Trainer auf seinem Boot und wir haben zusammen geangelt (lacht). Tennis hat eine große soziale Komponente.

Wir sind auf dem Gelände Ihres Tennisclubs. Erlebt man Sie auch bei den Mannschaftsspielen?

Nein, da fehlt mir tatsächlich die Zeit für. Ich hätte zwar Lust, aber an den Wochenenden liegen meine Prioritäten bei der Familie. Ich bin vergangenes Jahr bei den Herren 40 noch mal Clubmeister geworden und die Herren 30 haben mich eingeladen, mit ihnen zu trainieren – das ist mir Ehre genug (lacht). Ich glaube aber, ich spiele jetzt gerade das Tennis mit dem größten Spaßfaktor. Früher war immer noch so ein „gewinnen wollen“ oder sogar „gewinnen müssen“ im Kopf. Das habe ich gar nicht mehr. Im Gegenteil: Ich empfinde Tennis jetzt als absoluten Aus-Knopf.

Sind Sie ein guter Verlierer?

Ja. Ich war auch früher immer fair. Wenn jemand besser war, dann hatte er das auch verdient. Ein guter Sportsmann zu sein, das gehört für mich zum guten Ton.

Man meint ja immer, Schauspieler hätten es leichter, in schwierigen Situationen auf dem Platz ein Pokerface aufzusetzen. Ist das wirklich so?

Ich finde es ganz smart, dem anderen nicht zu zeigen, dass man sich ärgert. Das lernen die Tennisprofis ja recht früh und das finde ich auch gut. Ich selbst bin aber nicht ganz frei von Ehrgeiz. Läuferisch geht bei mir noch einiges, das hilft auch gegen gute oder bessere Tennisspieler. Insofern merke ich: Tennis kann Bestandteil meines Älterwerdens sein. Und das wird es auch.

 
„Tennis kann und wird Bestandteil meines Älterwerdens sein“

Stephan Luca

Ist Tennis für Sie ein Familiensport?

Tennis ist wieder ein großer Bestandteil meines Lebens geworden, weil meine kleine Tochter vor ein paar Jahren mit dem Sport angefangen hat. Das war dann auch mein eigener Start in die zweite Tenniskarriere. Es ist schön, das mit ihr zu teilen und meine Kindheitserlebnisse aus anderer Perspektive zu erleben. Es macht mir eine Riesenfreude, zu sehen, wie sie sich auf dem Platz entwickelt und mit ihr Bälle zu schlagen. Da geht mein Vaterherz auf.

Erzählen Sie uns Ihre persönliche Tennisgeschichte: Wie hat Ihre Liebe zu diesem Sport angefangen?

Ich weiß noch, als mein Vater mich zum ersten Mal in den Tennisclub mitnahm. Ich komme aus einer gutbürgerlichen, behüteten Familie, aber wir waren nicht reich und Tennis war ja lange so ein Sport der Upper Class. Für mich war der Eingang in diesen Tennisclub wie das Tor zu einer anderen Welt, die mir auch ein bisschen Angst machte. Mein Vater zerrte mich dann hinein, er war immer sehr mutig und neugierig. Einmal drin, ergab sich schnell ein Gespräch und eine Woche später hatte ich meinen ersten Tennisschläger in der Hand. So ging es los und bis heute hat mich die Liebe zu diesem Sport nicht losgelassen. Ich finde es klasse, dass Tennis inzwischen ein Breitensport geworden ist, der für viele zugänglich ist. Es gibt tolle Programme für Kinder und Jugendliche, damit sie spielen können, auch wenn das Geld von zuhause nicht unbedingt für die Mitgliedschaft reicht. Es ist spürbar, dass die Kids heute wieder mehr Interesse an Tennis haben – sicher auch dank neuer Stars wie Alexander Zverev.

Interessieren Sie sich denn auch fürs heutige Profitennis?

Nichts kann Livetennis toppen! Bei einem Turnier oder alleine am Trainingsplatz zu sein, ist beeindruckend. Ich bin gerne am Hamburger Rothenbaum zu Gast und habe dort schon Roger Federer und Rafael Nadal gesehen. Wimbledon und die US Open sind zwei Events, die ich unbedingt mal erleben möchte.

Wer waren denn Ihre eigenen Idole?

Als Kind wollte ich wie Björn Borg sein. Ich hatte längere Haare und habe mir ein Stirnband darüber gezogen, um so auszusehen wie er. Damals war ich noch gar nicht im Verein, aber habe dennoch stundenlang den Ball gegen die Wand gespielt und mir vorgestellt, er zu sein. Als dann Boris Becker Wimbledon gewann und Steffi Graf ihre Triumphe feierte, waren das natürlich die Idole. Beide haben in meinen Augen wirklich beeindruckende Karrieren hingelegt und viel für den Sport getan.

 
„Es gibt nichts, was mir nicht am Tennis gefällt“

Stephan Luca

Was unterscheidet in Ihren Augen das Tennisspiel von anderen Sportarten?

Tennis ist ein Einzelsport, man ist sehr mit sich selbst beschäftigt – gleichzeitig aber im Dialog mit jemand anderem. Mir gefallen die Charaktereigenschaften des Spiels: Es ist draußen, es geht um Punkte. Man braucht Kraft, Dynamik und Technik. Tennis strahlt auch eine ungeheure Ästhetik aus. Diese Eleganz verkörpert besonders ein scheinbar nicht älter werdender Roger Federer, der das schönste Tennis spielt, was ich je gesehen habe. Unterm Strich gibt es eigentlich nichts, was mir nicht an diesem Sport gefällt. Und wenn man dann noch generations- und geschlechterübergreifend zusammenspielen kann, ist es perfekt.

Zu Ihren vielen Fertigkeiten gehört auch der Stock- und Schwertkampf, der ab und an auch bei Ihren Rollen zum Einsatz kommt. Gibt es Parallelen zum Tennis?

Ja, es gibt tatsächlich Abläufe, Timings und Koordinationen aus dem Tennis, die man übersetzen kann, das hilft. Mit Ken Duken – der übrigens auch ein sehr guter Tennisspieler ist – habe ich für „Störtebeker“ acht Wochen lang in Prag diese Bewegungsabläufe geübt. Unser Ehrgeiz war es, möglichst gut zu werden und viel selbst zu kämpfen. Wie Jungs halt so sind (lacht).

Haben Sie dann auch mal zusammen Tennis gespielt?

Leider nein, aber mit Kostja Ullmann duelliere ich mich recht häufig. Er hat Tennis für sich entdeckt. Früher habe ich auch oft mit meinem Buddy Heiko Westermann gespielt. Ich nehme auch gerne am Charity-Turnier von Revolverheld-Gitarrist Kris Hünecke, dem „Rackethelden Cup“, teil. Wenn Sportler aus den unterschiedlichsten Sportarten sich treffen, dann herrscht immer ein ganz toller, respektvoller Umgangston. Das ist einmalig, ich wüsste nichts Vergleichbares.

Vervollständigen Sie diesen Satz: „Tennis ist mein Sport, weil…“

… ich das Spiel sehr liebe, mich als Kind und Jugendlicher damit entwickeln konnte und heute meiner Tochter etwas weitergeben kann.“

Interview-Highlights als Video

Interview - Teil 1

Interview - Teil 2

Interview - Teil 3

Interview - Teil 4

Interview - Making of