„Meine größte Herausforderung ist der Ballwurf“

Man kennt Severin Freund (29) als erfolgreichen Skispringer. Er gewann den Gesamtweltcup und war Weltmeister. In seiner Freizeit spielt er gern Tennis. Im Doppel-Interview mit Skirennläufer Fritz Dopfer spricht er über Stärken und Schwächen, Parallelen zum Wintersport und Training bei Klaus Hofsäss.

Severin und Fritz, wenn Wintersportler wie Sie Tennis spielen – welche Herausforderung ist dann die Größte?

Dopfer: Überhaupt den Ball zu treffen (lacht).

Freund: Bei mir ist es der Ballwurf beim Aufschlag. Eine komplexe Bewegung und ein schwieriger Schlag, weil vieles zusammen passen muss.

Wie regelmäßig stehen Sie auf dem Court?

Freund: In den letzten Jahren war ich bekanntlich leider mehrfach verletzt, deshalb konnte ich leider nur selten spielen. Aber im letzten Jahr haben wir wieder einmal in der Akademie von Klaus Hofsäss in Marbella trainiert. Ich war schon häufiger dort, es ist eine tolle Anlage.

Dopfer: Bei mir ist es anders. Ich habe bis vor drei Jahren relativ viel Tennis gespielt und war auch noch im Verein tätig. Seitdem habe ich mich aber voll auf den Skisport konzentriert und die Wochenenden eher zur Regeneration genutzt. Ich hoffe aber, dass ich mich nach meiner Karriere wieder intensiver dem Tennis widmen kann. Der Sport ist großartig.

Wie kommt man als Wintersportler zum Tennis?

Dopfer: Durch meine Eltern, Kollegen und Kumpels. Im Winter bin ich nur Ski gefahren, im Sommer war ich ständig auf dem Tennisplatz, habe dafür wirklich viel Zeit investiert. Mit 14 habe ich mich dann entschieden, mich voll auf den Skisport zu konzentrieren und das war im Nachhinein glaube ich auch die richtige Entscheidung.

Freund: Die Sportart begeistert mich wirklich wahnsinnig. Selbst gespielt habe ich früher aber kaum. Mal als kleiner Junge mit den Nachbarn, die im Verein waren, aber sonst habe ich Tennis immer eher passiv vor dem Fernseher verfolgt. In den letzten Jahren waren wir dann mit unserer A-Mannschaft zweimal bei Hofsäss. Das Spielen macht unglaublich viel Spaß und für später wird es sicherlich ein guter Ausgleichssport. Der Sport nach dem Sport sozusagen, man kann ja nicht aufhören.
Ich war sogar schon einmal bei den French Open. 2011 war das, damals habe ich dieses legendäre Halbfinale zwischen Federer und Djokovic gesehen. Ein gigantisches Erlebnis.

Dopfer: Da kann ich nicht mithalten (lacht). Ich war vor zwei Jahren beim Mercedes Cup in Stuttgart, das war auch klasse. Ein Grand Slam-Turnier steht noch auf meiner Liste…

 
... Meine größte Waffe ist definitiv der Glücks-Stopp direkt hinter das Netz...

Severin Freund

Gab es schon die Partie Freund vs. Dopfer?

Freund: Bisher noch nicht. Aber wir haben einmal innerhalb unseres Teams ein kleines Turnier veranstaltet. Das hat glaube ich Michael Neumeyer (ehemaliger Skisprungprofi, Anm. d. Red.), der früher auch im Verein gespielt hat, gewonnen.

Was klappt gut auf dem Court – und was eher nicht?

Freund: Meine größte Waffe ist definitiv der Glücks-Stopp direkt hinter das Netz. Und meine größte Schwäche die Laufbereitschaft bei langen Ballwechseln…

Dopfer: Ist bei mir genau anders. Best-of-Five wäre voll mein Ding. Also je länger es dauert, desto besser werde ich. Meine größte Schwäche ist die Ungeduld, in meinen frühen Jahren wurden da schon ein paar Schläger in Mitleidenschaft gezogen.

Dabei wirken Sie beide so ausgeglichen und entspannt…

Dopfer: Ich bin schon eher der emotionalere Typ auf dem Tennisplatz – beim Skifahren aber auch. Obwohl ich es teilweise ganz gut unterdrücken kann. Aber Emotionen gehören doch zum Sport dazu.

Freund: … ohne wäre es langweilig. Ich war früher ein sehr emotionaler Sportler und habe mich oft davon aus der Bahn werfen lassen. Mittlerweile habe ich mich gut im Griff. Es ist wichtig, Emotionen zu durchleben, sie rauszulassen – und dann wieder nach vorn zu schauen. Ich glaube, das ist beim Tennis nicht anders als beim Skispringen.

Tennis wird zu einem Großteil im Kopf entschieden. Auch in Ihren Sportarten ist die mentale Stärke oft entscheidend. Kann man die drei Sportarten – Tennis, Skispringen, Skirennfahren – also ganz gut miteinander vergleichen?

Dopfer: Tennis ist wie Skifahren auch eine Einzelsportart. Bei beiden ist es wichtig, dass man seine eigene Technik immer weiterentwickelt, um auf verschiedenste Situationen optimal reagieren zu können. Der Unterschied ist, dass man beim Tennis immer wieder die Chance erhält, in das Match zurückzukommen. Bei uns im Skisport entscheiden dagegen Millisekunden über Sieg und Niederlage. Mentale Stärke ist aber für beide Sportarten wichtig.

Freund: Mich fasziniert am Tennis vor allem, dass dein Spiel, anders als bei uns, auch vom Gegner beeinflusst wird. Das Spiel kann sich immer wieder drehen und wenn zwei ähnlich starke Spieler auf dem Platz stehen, sieht man erst, wie wichtig der Kopf ist. Das ist wiederum ähnlich bei uns: Du kannst alle Voraussetzungen haben und topfit sein, aber im Endeffekt entscheidet doch der Kopf.

 
... Ein Tennisspiel ist für mich ein kleines Schauspiel...

Severin Freund

Beim Skispringen ist ja der Wind ein ganz entscheidender Faktor…

Freund: Das ist er beim Tennis auch. In Paris habe ich so extrem gesehen. Im Fernsehen nimmt man das gar nicht so richtig wahr.

Es wird häufig über die Länge von Tennismatches diskutiert. Schauen Sie sich Partien über vier Stunden und länger an?

Freund: Es gibt ja einige Ansätze, um die Spiele zu verkürzen. Ich finde es ehrlich gesagt ganz cool, dass Tennismatches auch mal richtig lange dauern. Ein Tennisspiel ist für mich ein kleines Schauspiel und wenn man die ATP-Tour mit den Grand Slams vergleicht, sind Paris, Wimbledon & Co. meistens schon spektakulärer, weil es irgendwann ans Limit geht.

Dopfer: Ja, ist doch super mit anzuschauen, wenn es immer dramatischer und spannender wird. Die Grand Slams besitzen durch die Best-of-Five-Serien ein Alleinstellungsmerkmal. Das sollte so bleiben.

Gab es früher Idole?

Dopfer: Mein Kindheitsidol war Thomas Muster. Ich habe sogar früher mit seinem Schläger gespielt

Freund: Pete Sampras war einer, von dem ich einiges mitbekommen habe in meiner Kindheit und Jugend.

Sie dürfen sich einen Doppel- und Mixedpartner wünschen…

Dopfer: Doppel würde ich gerne mit Roger Federer spielen, Mixed mit Angelique Kerber.

Freund: Für das Doppel würde ich Dustin Brown wählen, vor allem wegen seines Serve-and-Volley-Spiels. Ich glaube er bringt auch immer ein bisschen Witz auf den Platz. Für das Mixed würde ich mir Viktoria Azarenka aussuchen, weil sie glaube ich ein bisschen ist wie ich früher.

Gibt es Ziele für die eigene Tenniskarriere?

Dopfer: Die Leistungsklasse wieder zu verbessern. Derzeit stehe ich irgendwo bei 15 oder 16.

Freund: Einfach überhaupt mal mehr Zeit zum Spielen zu finden. Ich hoffe, Tennis bleibt immer ein Sport, der mir so viel Freude bereitet.

Interview-Highlights als Video

Interview - Teil1

Interview - Teil2

Interview - Teil3

Interview - Teil4

Interview - Teil5

Interview - Teil6