„Tennis ist ein Volkssport mit großem Potenzial“

Hockeystar Moritz Fürste (33) gewann zweimal Olympia-Gold, wurde mehrfach Weltmeister und Europameister. Tennis spielt er bereits seit frühester Kindheit. Im Interview erzählt der heutige Inhaber einer Hamburger Kommunikationsagentur von seiner Leidenschaft für Duelle auf dem Court, von den Chancen des Tennissports und seinem großen Tennis-Traum.

Moritz, wann haben Sie Ihre Liebe zum Tennis entdeckt?

Ich habe ganz früh mit dem Tennis angefangen. Bereits mit vier Jahren stand ich das erste Mal auf dem Platz und habe anschließend bestimmt zehn Jahre lang sehr intensiv gespielt. Tennis war damals meine Hauptsportart – noch vor Hockey. Zwar hat sich das dann bekanntermaßen irgendwann gedreht, aber ich habe eine Zeit lang mit viel Enthusiasmus und auch mit Aufwand diesen Sport betrieben.

Wie regelmäßig stehen Sie inzwischen noch auf dem Court?

Leider nicht mehr so häufig. Ehrlich gesagt habe ich in den letzten Jahren so gut wie gar nicht mehr gespielt. Aber das wird sich nun wahrscheinlich wieder ändern, denn ich wurde gerade für die zweite Mannschaft der Herren 30 des Uhlenhorster Hockey-Clubs in Hamburg akquiriert. Ich habe also fest vor, wieder anzugreifen und darauf freue ich mich!

Was sind denn Ihre größten Stärken auf dem Court?

Früher waren meine Stärken immer die Vorhand und der Aufschlag, Schwäche war und ist die Rückhand. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht warum, aber ich habe tatsächlich die Rückhand verlernt. Früher habe ich eine ganz normale beidhändige Rückhand geschlagen, jetzt kann ich es einfach nicht mehr, ich treffe den Ball nicht. Das ist ganz merkwürdig. Vielleicht gibt es jemanden da draußen, der mir helfen kann? (lacht)

Was macht Tennis für Sie zu einem besonderen Sport?

Am Tennis gefällt mir wirklich ganz, ganz vieles. Beim selber spielen ist es vor allem die persönliche Challenge. Ich glaube, jeder Sportler wird bestätigen können, dass ein Wettkampf wahnsinnig viel Spaß macht und es gibt nur wenige Sportarten, in denen man sich so unmittelbar eins gegen eins gegenübersteht wie beim Tennis. Man ist alleine für Sieg oder Niederlage verantwortlich. Wenn man den Punkt verliert, dann war es entweder der eigene Fehler oder der Gegner hat unglaublich gut gespielt. Außerdem ist es ein sehr dynamisches Spiel mit einem Wechsel aus Belastungsphasen und Pausen – damit ist es ist schon eine Art von Intervalltraining. Als Trainingsform kam mir das immer entgegen. Der größte Pluspunkt für mich persönlich ist aber der Ball – und wenn man mir einen Ball ins Spiel schmeißt, dann macht mir alles Spaß (lacht).

 
„Tennis hat mir für mein Hockeyspiel geholfen“

Moritz Fürste

Wo liegen die größten Unterschiede zwischen Hockey und Tennis?

Tennis ist ein Einzelsport, Hockey ein Mannschaftssport – das ist der größte Unterschied. Es gibt aber darüber hinaus auch viele Gemeinsamkeiten. Beides sind Ballsportarten, bei denen die Hand-Augen-Koordination eine extrem wichtige Rolle spielt. Auch muss man bei beiden Sportarten antizipieren können, wohin sich der Ball gleich bewegen wird. Spielverständnis und auch Ballgefühl sind Eigenschaften, die man beim Hockey wie beim Tennis benötigt. Nicht umsonst sind Vereine häufig zugleich als Hockey und als Tennisclub ausgelegt.

Hat Ihnen Ihr Tennisspiel für den Hockeysport geholfen?

Auf jeden Fall! Die Tennisausbildung ist sehr vielfältig: man muss laufen, springen, schnelle Richtungswechsel machen. Es ist ein sehr athletisches Trainingsprogramm und das ist eine super Grundlage für andere Sportarten. Außerdem hat es mir zum Beispiel als Kind geholfen, ein gewisses Ballgefühl zu entwickeln. Wie fest darf ich draufhauen, damit der Ball noch drin ist und nicht ins Aus fliegt? Tennis hat bei mir die Entwicklung von Spielverständnis und räumlichem Denken gefördert, das ist meinem Hockeyspiel sehr zugutegekommen.

Ist man als Profisportler eigentlich auch auf dem Tennisplatz besonders ehrgeizig?

Ja, unbedingt. Für mich gibt es kein „einfach nur Bälle schlagen“ beim Tennis! Egal, ob ich mit meiner Frau oder mit Freunden spiele – es geht immer um Punkte, es wird sich immer duelliert. Tennis als bloßes Freizeitvergnügen – das wäre mir zu langweilig, dafür bin ich dann doch zu wettbewerbsorientiert eingestellt. Es gibt auch wirklich keinen Sport, den ich nicht als Wettkampf betrachte – außer vielleicht im Urlaub mal etwas Wassersport (lacht).

Haben Sie so etwas wie ein schönstes Tennis-Erlebnis?

Als Einzelsportler war mein größtes Erfolgserlebnis die Qualifikation und Teilnahme an den Hamburger Meisterschaften, damals war ich 14 Jahre alt. Ich habe mich als Underdog reingefightet und am Ende die große Überraschung geschafft. Das waren sehr intensive Tage, ein absolutes Highlight in meiner Jugend. Ich weiß auch noch ganz genau, wie meine Mutter mir vor einem der Matches Nudeln gekocht hat und ich mich dann auch noch mal hingelegt habe – also wie ein richtiger Profisportler. Das habe ich in meinem Sportlerleben später noch häufig so praktiziert, aber damals war das alles neu, noch nie dagewesen.

Gibt es einen prominenten Gegner, gegen den Sie unbedingt einmal im Tennis antreten möchten?

Natürlich würde ich wahnsinnig gerne mal mit Roger Federer auf dem Platz stehen, den ich schon sehr häufig gesehen und auch kennengelernt habe. Unabhängig davon gibt es viele Sportler, die ich im Tennis gern herausfordern würde. Mit einigen habe ich auch schon gespielt. Der Olympiasieger im Beachvolleyball, Jonas Reckermann, will noch eine Revanche gegen mich (lacht). Gerade unter olympischen Sportlern sucht man ja gerne mal nach Sportarten, in denen man sich untereinander messen kann. Da ist Tennis sehr dankbar.

 
„Möchte unbedingt mal ein Grand Slam hautnah miterleben“

Moritz Fürste

Wie intensiv verfolgen Sie die Tour?

Ich bin regelmäßiger Zuschauer, verfolge oft Turniere im Fernsehen oder am Livestream. Aber ich war auch schon vor Ort dabei, zum Beispiel hier in Hamburg oder auch in Madrid.

Gibt es einen Tennis-Traum, den Sie sich gerne erfüllen würden?

Ja, ich möchte unbedingt mal ein Grand Slam live und hautnah miterleben! Welches, das spielt gar keine so große Rolle, denn ich finde die alle faszinierend.

Sie sind viel bei Twitter aktiv. Wie gut kennen Sie die DTB-Profis?

Es hat sich in den letzten Jahren so entwickelt, dass da ein reger Austausch stattfindet. Gerade bei den Olympischen Spielen – wo insbesondere die Mädels oft in voller Stärke aufgelaufen sind – haben wir uns immer gegenseitig unterstützt und die Daumen gedrückt. Ich verfolge das Geschehen aus der Ferne ganz genau, gerade bei den Australian Open, die ich während meiner Zeit in der indischen Profiliga aufgrund der geringen Zeitverschiebung besonders intensiv anschauen konnte, gab es ja in den letzten Jahren einige spektakuläre Ergebnisse.

Als Inhaber einer Kommunikationsagentur: Was benötigt Tennis, damit der Sport wieder präsenter in der Öffentlichkeit wird?

Ich glaube, die Antwort gilt nicht nur für Tennis: Es geht darum, die Geschichten zu erzählen, die der Sport zu bieten hat und das sind unglaublich viele. Gerade im Tennis ist das Problem, dass die Topprofis nicht so greifbar sind, weil sie einfach ständig in der Weltgeschichte umherreisen. Stars wie Alexander Zverev sind wichtige Zugpferde, aber man muss auch den breitensportlichen Charakter der Sportart in den Fokus stellen. Tennis ist eine Volkssportart, in der großes Potenzial steckt.

Ihre Wunschpartnerin für ein Mixed?

Das kommt darauf an, ob ich das Match unbedingt gewinnen muss oder ob ich Spaß haben möchte. Die beste Mixed-Partnerin für mich ist logischerweise meine Frau. Stephanie hat als Kind viel Tennis gespielt und ist immer noch klasse. Wenn auf der gegnerischen Seite allerdings jemand steht, der um jeden Preis auf der Welt geschlagen werden muss, dann würde ich mir vielleicht doch Angie Kerber aussuchen…

Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: „Tennis ist mein Sport, weil…“

Sagen wir so: Tennis ist eine meiner liebsten Sportarten, weil es unglaublich viel Spaß macht, weil es herausfordernd und intensiv ist, weil es anstrengend ist und gleichzeitig immer wieder diese Erfolgsmomente bringt, weil zwischen Punkt und Punktverlust nicht viel Zeit vergeht und man sich voll konzentrieren muss.

Interview-Highlights als Video

Interview - Teil 1

Interview - Teil 2

Interview - Teil 3

Interview - Teil 4

Interview - Teil 5

Interview - Teil 6

Making-of