„Ich würde gern mal aus Wimbledon berichten“

Er ist einer der bekanntesten Sportmoderatoren in Deutschland. Matthias Opdenhövel, 48, berichtet vor allem von Fußball- und Wintersportereignissen. Der gebürtige Ostwestfale ist aber auch leidenschaftlicher Tennisspieler – und kennt sich bestens aus. Ein Gespräch über Reporterträume, sein eigenes Spiel und Schweißbänder von Boris Becker.

Herr Opdenhövel, man verbindet Sie als Sportmoderator vor allem mit Fußball und Wintersport. Wie nahe stehen Sie dem Tennis?

Tennis war immer meine absolute Leidenschaft abseits der Mannschaftssportarten. Ich habe früh Fußball gespielt und mit 12, 13 Jahren mit Tennis angefangen. Ich komme aus einer tennisbegeisterten Familie, habe früher schon mit dem alten Schläger meines Vaters Bälle an die Wand geschlagen – der Klassiker. Ich spiele bis heute sehr gern, Tennis ist ein sensationell angenehmer Sport. Den Becker-Wahnsinn habe ich in meiner Jugend natürlich extrem verfolgt. Mein Zimmer war plakatiert mit Boris-Postern.

Wie häufig spielen Sie heute?

Ich spiele leider viel zu selten, im Urlaub gern und mal zwischendurch. In der Mannschaft bin ich nicht mehr aktiv – ist ja logisch, mein Job findet viel am Wochenende statt. Ich könnte es einer Mannschaft nicht antun, jedes Mal abzusagen. So funktioniert Teamsport nicht.

Was macht die Faszination Tennis für Sie aus?

Tennis ist erstmal zeitlich nicht limitiert. Das ist für den Sport eigentlich total spannend – für die Übertragung im Fernsehen aber natürlich ungünstig. Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Klar, wünsche ich mir, dass Tennis mehr stattfindet im Fernsehen. Auf der anderen Seite finde ich es gerade toll, dass man bei Matchbeginn nicht weiß, ob die Kugel nun eine oder sechs Stunden übers Netz fliegen wird.

Würden Sie gern mehr Tennis moderieren?

Ich habe immer davon geträumt, irgendwann mal in Wimbledon auf der Terrasse zu stehen und für einen TV-Sender dieses Turnier übertragen zu dürfen. Ich war Gott sei Dank schon häufiger dort, allerdings privat als Fan. Aber ich habe der ARD immer gesagt: ‚Macht doch mal mehr Tennis – ich stehe bereit!‘ Es ist schwer, weil heutzutage der Sport vor allem über Köpfe funktioniert. Das war damals bei Becker, Stich und Graf so und ich hoffe, Alexander Zverev kann das in die Tat umsetzen, was alle von ihm erwarten: irgendwann ein Grand Slam gewinnen und die Nummer eins werden. Vielleicht trauen sich die großen Sender dann wieder mehr.

 
„Bis auf die Australian Open habe ich alle Grand Slams schon live erlebt…“

Matthias Opdenhövel

Wie intensiv verfolgen Sie die Karriere von Alexander Zverev?

Ich schaue sehr intensiv die großen Turniere. Es ist extrem spannend, was er abliefert und wie er sich entwickelt hat. Man sagte ihm ja immer nach, er würde auch mal abschenken, wenn es nicht läuft. Aber gerade in den letzten Monaten hat er ein ganz anderes Gesicht gezeigt. Ich drücke ihm die Daumen, dass er den ganz großen Wurf schafft.

Haben Sie außer Wimbledon noch andere Grand Slams erlebt?

Bis auf die Australian Open alle! Ich war mehrfach bei den US Open, oft mit meinem Vater. Auch Roland Garros hab ich häufiger erlebt. Inzwischen schleppe ich auch meine Frau immer mal wieder auf Turniere mit. Sie ist kein Riesenfan, findet aber das Drumherum, das Ambiente auch spannend. Australien nehme ich mir immer wieder vor – aber das kollidiert mit der Wintersportsaison, deshalb ist es logistisch nicht einfach.

Haben Sie einen Lieblingsspieler? 95 Prozent der Tennisfreaks antworten: Roger Federer…

Was Roger abliefert, ist phänomenal, eine eigene Liga. Da ist es gesetzt, dass man den nennen muss als den beeindruckendsten aller Tennisspieler. Das gilt aber auch für Rafael Nadal. Was der leistet, ist auch unfassbar – Mr. Unschlagbar auf Sand. Früher, in den 80er und 90er-Jahren, war ich großer Edberg-Fan. Obwohl sich das deshalb widersprochen hatte, da ich ein noch größerer Becker-Fan war. Ich fand die Matches der beiden immer extrem spannend und unterhaltsam. Heute ist es schwierig, so klassische Typen zu finden, alles ist stromlinienförmiger. Aber ich finde del Potro spannend, auch seine Biografie. Stan Wawrinkas Werdegang ist auch super – es gibt einige!

 
Mit Matthias Opdenhövel auf dem Court - die besten Szenen im Video

Sie dürfen sich einen Profi zum Interview wünschen…

Ich habe mir ja zum Glück schon den Wunsch erfüllt und mit Boris zusammen Sendungen für ProSieben moderiert, 2007 das Masters of Legends, da war er mein Experte und Co-Moderator, obwohl er selbst noch mitgespielt hatte. Wir haben sogar ein paar Bälle zusammen geschlagen, ein absoluter Traum. Deshalb wäre Federer jetzt mein Kandidat, der hat viel zu erzählen.

Welche Frage würden Sie ihm stellen, die er noch nicht beantwortet hat?

Das ist schwierig! Eine Frage, die er noch nicht gehört hat, wäre wahrscheinlich so an den Haaren herbeigezogen, dass ich mich nicht trauen würde, sie zu stellen. Mich würde interessieren, was ihn jeden Tag immer noch antreibt. Ihn von seiner Persönlichkeit zu beleuchten, ist spannend. Er reist mit einem Riesentross um die Welt, mit zwei Zwillingspärchen. Das stelle ich mir nicht ganz einfach vor. Dass er immer noch dieses Feuer hat, ist toll zu beobachten.

 
„Ich bin eher ein Angriffsspieler. Keine Ballmaschine…“

Matthias Opdenhövel

Gibt es einen Tennis-Traum, den Sie sich erfüllen möchten?

Ich habe einen ganz profanen Traum und es ist fast peinlich, dass ich mir den noch nicht erfüllt habe: Ich habe noch nie auf Rasen gespielt! Das möchte ich unbedingt einmal machen.

Was sind Sie selbst für ein Spielertyp?

Gute Vorhand, mäßige Rückhand – in der Jugend lange einhändig, dann ein, zwei Saisons beidhändig und inzwischen wieder mit einer Hand. Ich bin so ein 80er-Jahre-Spieler, würde gern mehr Serve-and-Volley spielen, aber dafür fehlt mit der Volley. Ich bin eher ein Angriffsspieler, keine Ballmaschine.

Spielen ihre Kinder Tennis?

Ja, meine Söhne spielen beide. Ich versuche ihnen so viele unterschiedliche Sportarten näherzubringen wie möglich. Das finde ich wichtig. Viermal die Woche Training und nur eine Sportart – das habe ich selbst auch nicht gemacht und es hat mir nicht geschadet. Man muss den Kindern die Möglichkeit geben, viele Sportarten auszuprobieren. Es muss ja auch nicht das Ziel sein, in irgendeiner Disziplin Profi zu werden. Sondern Spaß zu haben und möglichst lange noch im hohen Alter viel Sport machen zu können.

Also sind Sie kein klassischer, ehrgeiziger Tennis-Vater?

Nein, der war ich nie. Auch beim Fußball nicht. Ich stehe mehr am Rand, schaue in Ruhe aus der Entfernung. Wenn der Sohn hinterher nach einem Feedback fragt, dann sage ich, was mir aufgefallen ist und verpacke das in generelles Lob. Mir wird viel zu viel Druck in jungen Jahren ausgeübt.

Haben Sie eine besondere Tennis-Anekdote?

Da gibt es einige – okay, ich nenne zwei. Mit 13 Jahren waren wir mit der Familie im Urlaub an der italienischen Riviera, ein Katzensprung entfernt von Monte Carlo. Wir kauften uns ein Ticket für das Turnier, das kostete umgerechnet gerade einmal 20 Mark. Ich hatte damals eine weiße Schlägerhülle und sammelte Autogramme: McEnroe, Borg, Gottfried, Smid. Die Hülle war voll. Dann fragte mich meine Schwester: ‚Hast du auch den da hinten, den auf dem Trainingsplatz? Das ist ein junger Deutscher, der soll gut sein.‘ Ich antwortete ihr: ‚Es gibt keine guten Deutschen!‘ Der Junge war Boris Becker, 1984, kaum einer kannte ihn. Er kam vom Platz, hatte orangefarbene Kopfhörer auf den Ohren und ich fragte ihn nach einem Autogramm. Er war verdutzt, meinte: ‚Von mir?“. Etwas mehr als ein Jahr später gewann er Wimbledon. Und ich hatte eines der ersten Autogramme ergattert. Noch heute ein Schätzchen in der Schublade.

Und die zweite Story?

Auch wieder Boris. 1987 bei einem Showkampf in Dortmund. Nach dem Match lief ich hinter seine Bank, fragte ihn nach seinem Schweißband. Er schmiss es mir zu und ich war in meinem Tennisclub danach der König. Die lokale Tageszeitung in Detmold machte sogar eine Geschichte, das war mir etwas peinlich. Ich habe das Schweißband noch heute immer in meiner Schlägertasche. Es ist ein bisschen ausgeleiert – passte mir aber noch nie, weil Boris doch andere Arme hatte als ich.

Ergänzen Sie bitte: „Tennis ist mein Sport, weil…“?

… weil die Sportart wahnsinnig abwechslungsreich und spannend ist. Man kann sich in keiner anderen Sportart so großartig auspowern, sauer auf seinen Gegner sein, ihn am liebsten mit dem Ball durch die Wand pfeffern – aber man tut ihm nicht weh, gibt ihm am Netz die Hand, umarmt sich schweißgebadet und hatte die besten 60 Minuten seines Lebens.

Interview-Highlights als Video

Interview - Teil 1

Interview - Teil 2

Interview - Teil 3

Interview - Teil 4