Matthias Killing: „Tennis ist ein hammermäßiger Sport“

Frühaufsteher kennen ihn aus dem Frühstücksfernsehen, Sportfreaks aus diversen Live-Übertragungen – und Tennisfans auch vom Hamburger Rothenbaum: Matthias Killing (37), TV-Moderator und Stadionsprecher, liebt den Tennissport. Im Interview spricht er von Erstrundenpleiten bei Kreismeisterschaften, einem Duell mit Manuel Neuer – und einer ganz besondere Trainingseinheit.

Matthias, in der Vorbereitung auf dieses Interview haben wir alte Bilder entdeckt, die Sie zusammen mit Manuel Neuer auf dem Tennisplatz zeigen. Wer konnte damals von wem lernen?

Manuel ist ein erstaunlich guter Tennisspieler, aber technisch hat er mich doch ein wenig mich selbst erinnert (lacht). Wir sind ja beide groß und ein bisschen schlaksig. Ich glaube, wir konnten in dem Fall beide nichts voneinander lernen, waren aber froh, dass wir auf einem ähnlichen Niveau gespielt haben. 

Sind Sie ehrgeizig auf dem Tennisplatz?

Ich bin viel zu ehrgeizig für das, was ich auf dem Platz kann (grinst). Aber ich bin auch grundsätzlich ein sehr ehrgeiziger Mensch. Wenn ich als Kind auf dem Tennisplatz stand, habe ich mir immer vorgestellt, dass ich gerade im Stadion vom Rothenbaum oder auf dem Centre Court von Wimbledon stehe - Kinderträume halt. Dafür hat es trotz des großen Ehrgeizes nicht einmal ansatzweise gereicht. Geliebt habe ich den Tennissport trotzdem immer. 

Welchen Stellenwert hat der Tennissport grundsätzlich in Ihrem Leben?

Einen großen! Zum einen, weil ich beruflich viel mit Tennis zu tun habe. Ich war Mitte 20, als ich am Hamburger Rothenbaum Stadionsprecher wurde, durfte diesen Job jetzt 13 Jahre lang machen – mit unglaublicher Liebe zu dem Sport und dem Turnier. Zum anderen habe ich auch viele Jahre die deutschen Davis Cup- und Fed-Cup-Begegnungen für ProSiebenSat1 als Moderator begleitet, das waren oft tolle Reisen. Privat schaue ich wahnsinnig viel Tennis, ich bin quasi ein „Heavy-User“, gefühlt läuft bei mir immer Tennis. Es ist ein schöner Ausgleich zu einem stressigen Berufsleben.

 
„Ich probiere regelmäßig zu spielen. Zumindest zweimal im Monat.“

Matthias Killing, TV-Moderator

Gibt es den einen besonderen Moment, den Sie nicht vergessen werden?

Am meisten hängen geblieben sind mir die Endspiele zwischen Federer und Nadal am Hamburger Rothenbaum (2007, 2008 Anm. d. Red.). So ein Duell ansagen zu dürfen, bleibt unvergessen. Beide gehören zu den größten Sportlern unserer Zeit. Auch das erste Legendenmatch zwischen Michael Stich und John McEnroe war etwas Großes. Mit McEnroe durfte ich für eine Reportage sogar ein paar Bälle schlagen. Das war ein bisschen so, wie mit dem lieben Gott Bälle zu schlagen. Hinterher sagte er mir dann: „Ich habe gehört, du bist in deinem Beruf ganz gut. Mein Tipp: bleib dabei!“ (lacht) 

Wann haben Sie das erste Mal gespielt?

Irgendwann als Kind, ich war damals sehr schlecht, hatte kein Talent. Bei den Kreismeisterschaften war in der ersten Runde Schluss. Aber ich hatte trotzdem gern gespielt. Mit zwölf wechselte ich meinen Fokus, begann sehr leistungsbezogen Basketball zu spielen. Mit 32 stand ich dann wieder auf dem Tennisplatz. Auf einer Radtour fuhren wir an einem Court vorbei und ich blieb wie ein kleiner Junge am Zaun stehen. Seitdem probiere ich, regelmäßig zu spielen, zumindest zweimal im Monat.

Also kein regelmäßiges Vereinsleben mit Punktspielen und Turnieren?

Nein, weder noch. Ich habe viel mit einem Trainer gearbeitet, wirklich intensiv, weil meine Vorhand lange Zeit eher an einen „Longest Drive“ beim Golf erinnerte (lacht). Ab und zu konnte ich sogar mit Michael Kohlmann spielen. Wenn jemand wie er auf der anderen Seite steht, spielt er einem die Bälle so rein, dass man nur glänzen kann. Außerdem durfte ich im Rahmen der Davis Cup- und Fed Cup-Übertragung auch mal mit unserem Experten Nicolas Kiefer auf dem Court stehen. Also keine Mannschaft und auch kein leistungsbezogenes Tennis, aber trotzdem viel Freude und Spaß, weil Tennis einfach ein hammermäßiger Sport ist. 

Wer wären Ihre Wunschpartner für ein Doppel oder Mixed?

Ich mag Angelique Kerber sehr gerne, weil ich beruflich oft Kontakt mit ihr hatte und wir uns gut verstehen. Mit ihr würde ich wahnsinnig gerne ein Mixed-Team bilden. Mein Doppelpartner wäre Michael Stich, den ich am Rothenbaum lange begleitet habe. Ich war schon zu seiner aktiven Zeit Fan von ihm. Seinen Weg, erst das Abitur zu machen und sich danach auf die Profikarriere zu konzentrieren, hat mich beeindruckt. Als er im Wimbledonfinale 1991 gegen Becker spielte, gehörte ich zur Stich-Fraktion. Danach habe ich mir sein T-Shirt gekauft. Einmal mit ihm auf dem Platz zu stehen, wäre ein Bucket-List-Lebenstraum. 

 
„Meine Vorhand erinnerte lange Zeit an einen Longest Drive beim Golf“

Matthias Killing, TV-Moderator

Sie beschäftigen sich beruflich auch viel mit Fußball. Wenn Sie die beiden Sportarten miteinander vergleichen: Was hat Tennis, was Fußball nicht hat?  

Als Berichterstatter ist Tennis sehr viel spannender, weil es beim Fußball viele Restriktionen gibt. Man hat keine Chance, in die Kabine zu gucken oder während des Spiels auf die Tribüne. Die Deutsche Fußball Liga verbietet uns Moderatoren das – aus Sicherheitsaspekten ist das verständlich. Beim Tennis ist so etwas möglich. Da kann man direkt nach dem Spiel vielleicht noch moderierend mit dem Spieler in die Kabine laufen. Oder während des Matches ein Interview mit dem Trainer führen. Das ist beim Fußball undenkbar. Die Freiheiten beim Tennis sind sehr viel größer und die Spieler sind nahbarer.

Ergänzen Sie bitte zum Abschluss den Satz: „Tennis ist mein Sport, weil…“

… weil er mich schon seit frühester Kindheit begleitet und ich viele schöne Momente auf dem Tennisplatz erleben durfte. Und weil es für mich ganz toll war, mit 32 Jahren zu merken, wie unfit ich eigentlich bin und dann auf dem Tennisplatz wieder gespürt habe, was es bedeutet, regelmäßig Sport zu treiben. Das hatte ich zehn Jahre lang vernachlässigt.

Interview-Highlights als Video

Interview - Teil1

Interview - Teil2

Interview - Teil3

Interview - Teil4