Martin Kaymer: „Mit der Vorhand mache ich am meisten Druck“

Er war der zweitjüngste Weltranglistenerste überhaupt, gewann die PGA Championchip und die US Open. Golfprofi Martin Kaymer gehört zu den Superstars seines Sports. Zu seinen Hobbys gehört auch Tennis. Im Interview spricht er über Fokussierung und Konzentration, eine aggressive Vorhand, Duelle mit dem Bruder und seine Bewunderung für Federer, Nadal & Williams.

Martin, der entscheidende Putt an Loch 18 – vergleichbar mit dem zweiten Aufschlag beim Tennis, wenn der Gegner Matchball hat?

Absolut. Höher kann der Druck nicht sein, da sollten Fokus und Konzentration funktionieren, weil es danach keine Möglichkeit mehr gibt, einen Fehler auszugleichen.

Sowohl Golf als auch Tennis gelten als komplexe Sportarten. Es wird viel über den mentalen Aspekt gesprochen. Welchen Sport finden Sie schwieriger?

Unter Druck sind beide Sportarten absolut vergleichbar, da die Bewegungsabläufe relativ kompliziert sind. Wenn man sich darüber Gedanken machen muss, kann die kleinste Abweichung zur Routine große Auswirkungen haben. Da man aber beim Tennis einen zweiten Aufschlag hat, sage ich das Golf schwieriger ist.

Wie häufig stehen Sie selbst auf dem Tennisplatz und wo spielen Sie?

Aufgrund meines eigenen Turnierkalenders spiele ich leider viel zu selten um ehrlich zu sein. Bei der US Open im Juni in New York hatten wir allerdings ein Haus mit dazugehörigem Tennisplatz, da gab es jeden Abend das ein oder andere Match.

Spielen Sie gut?

Sagen wir so: Ich bekomme den Ball meistens zurück auf die andere Seite. Aber Spaß beiseite: Für mich ist Tennis ein guter Ausgleichsport und eine Ablenkung vom Golf, da die Bewegungen andere sind.

 
„Es gibt viele Parallelen zum Golf“

Martin Kaymer

Was für ein Spielertyp sind Sie?

Ich würde mich als relativ aggressiven Spieler bezeichnen. Ich mag es, mit der Vorhand Druck auszuüben. An meiner Rückhand hingegen muss ich noch arbeiten.

Was kann ein Golfspieler von einem Tennisspieler lernen – und umgekehrt?

Ich hatte in den letzten Jahren sehr viele interessante Gespräche mit Tennisspielerinnen und Spielern. Dabei ging es meistens um psychologische Aspekte, Fokus und Konzentration. Ich denke, insbesondere was diese Themen angeht, kann jeder von jedem etwas lernen. Man lernt durch den Austausch einen anderen Ansatz kennen, das ist immer interessant.

Hilft Ihnen die Konzentrationsfähigkeit, die Sie beim Golf benötigen, auch auf dem Tennisplatz?

Wenn ich wirklich ambitionierter Tennis spielen würde, dann wäre sie mit Sicherheit hilfreich. Es gibt viele Parallelen, die mir bestimmt zugutekommen würden.

Was fasziniert Sie am Tennissport?

Das Kurzweilige und die vielen kleinen Entscheidungen. Auch Momente, in denen sich Spiele quasi „aus dem Nichts“ drehen können. Das ist spannend zu beobachten.

Wie sind Sie ursprünglich zum Tennis gekommen?

Ich habe als kleines Kind ab und an mit meinem Bruder Tennis gespielt, wobei es damals eher darum ging, wer den Ball am höchsten schlagen kann und ob er noch im Feld des Gegners landet. Fahrt aufgenommen hat das Thema dann für mich wieder durch meine Partnerschaft mit Rolex und der Faszination für Wimbledon. Als ich dort eingeladen war und die Möglichkeit hatte, einen Einblick zu bekommen, war mein Interesse geweckt.

 
„Ich würde gerne einmal mit Steffi Graf spielen. Nicht nur ihre aktive Karriere, sondern auch das Leben danach in etwas mehr Zurückgezogenheit finde ich sehr interessant.“

Martin Kaymer

Wie intensiv verfolgen Sie die Profitour?

Wenn sich die Möglichkeit ergibt, schaue ich mir das ein oder andere Spiel im TV an. Dieses Jahr habe ich es leider nicht nach Wimbledon geschafft, live ist es nochmal etwas anderes. Aber ich halte mich über die Ergebnisse auf dem Laufenden.

Welche Profis beeindrucken Sie besonders? Haben Sie Vorbilder im Tennis?

Momentan sind es eigentlich drei Spieler, die mich faszinieren: Roger Federer und Rafael Nadal, die beide ihren eigenen Weg gehen, um sich optimal auf die für sie wichtigen Turniere vorzubereiten. Es gab ja durchaus kritische Stimmen, als beide entschieden haben, teilweise über Monate keine Turniere zu spielen. Aber beide kennen ihre Körper am besten und wissen, was sie tun müssen, um ihre beste Leistung abrufen zu können. Davor habe ich großen Respekt. Auch Serena Williams finde ich beeindruckend, die über Jahre phänomenale Leistungen abgerufen hat und selbst jetzt, nach der Babypause, direkt wieder ins Finale von Wimbledon eingezogen ist.

Welches ist Ihr Lieblingsturnier auf der Tour?

Wimbledon!

Sie dürfen sich eine beliebige Mixed-Partnerin aussuchen. Wen wählen Sie?

Ich würde gerne einmal mit Steffi Graf spielen. Nicht nur ihre aktive Karriere, sondern auch das Leben danach in etwas mehr Zurückgezogenheit finde ich sehr interessant.