Markus Söder: „Mein Slice ist ganz okay“

Seit März 2018 ist Markus Söder Ministerpräsident von Bayern. Seine Jugend verbrachte er auf dem Tenniscourt, schwärmt auch heute noch für Schläger und Filzball. Im Interview spricht er über sein eigenes Spiel, Idole von früher und den Traum von einem Doppel mit Boris Becker.

Herr Söder, am Abend ein paar Bälle schlagen auf dem Tenniscourt – gibt es für Sie eine bessere Entspannung nach einem anstrengenden Tag?

Ehrlicherweise finde ich es fast schöner am frühen Morgen, wenn die Sonne gerade aufgegangen ist und der Tag noch frisch ist. Da ist so ein Tennisplatz wunderbar, alles duftet gut und da macht Tennis spielen mehr Spaß.

Sie haben – so liest man es zumindest – einige Zeit in der bayerischen Bezirksklasse gespielt. Wie intensiv spielen Sie heute noch?

Leider viel zu wenig. Immer wieder mal bei Promi-Turnieren, letztens zum Beispiel mit Django Asül im Doppel, der ein wirklich hervorragender Tennisspieler ist. In meiner Jugend war das wirklich eine Passion und Leidenschaft. Ich habe fast meine ganze Jugend auf dem Tennisplatz verbracht, Schule natürlich ausgenommen. Tennis hat mir viel gegeben, deswegen habe ich auch gute Erinnerungen daran.

Nehmen Sie noch gelegentlich Training?

Nein, Trainingsstunden brauche ich nicht mehr. Mein Slice ist ganz okay, den habe ich mir bewahrt. Ab und zu spiele ich mit einigen politischen Freunden und da wird dann immer versucht zu testen. Denn jeder möchte gewinnen. Manchmal spiele ich auch mit Journalisten und da gewinne ich dann sogar (lacht).

Was für ein Spielertyp sind Sie?

Ach, ich bin ein ganz normaler Spieler. Ich habe immer versucht, sichere Grundlinienschläge zu haben, da ich sehr groß bin und nicht ganz so schnell und beweglich wie andere. Deswegen habe ich gerne Slice mit der Rückhand gespielt. Mein großes Vorbild war für mich immer Max Wünschig, den ich als „Slicegott“ bezeichnet habe. Ich bin im Grunde genommen ein Spieler, der auf Sicherheit spielt und seine Chance sucht. Und: Mein Aufschlag ist nicht schlecht.

 
„Roger Federer ist wirklich einer der ästhetischsten Spieler, den wir je erlebt haben.“

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern

In einer SPIEGEL-Story heißt es, Björn Borg sei früher Ihr großes Idol gewesen. Was mochten Sie an ihm?

Im Grunde genommen waren es drei Spieler, die mich beeindruckt haben: Björn Borg, einfach durch diese unglaubliche Ruhe, durch diese unglaublichen langen Bälle, der Topspin - das war beeindruckend. Der zweite Spieler, der mich nachhaltig bewegt hat, war John McEnroe. Ich habe nie wieder einen Spieler erlebt, der scheinbar mit so wenig Kraft und Eleganz am Ball gespielt hat. Und – ich gebe es zu – Boris Becker war dann das große Idol. Wir sind ungefähr gleich alt und es gab keinen deutschen jugendlichen Tennisspieler, der nicht begeistert war von Boris Becker. Ich auch.

Wie intensiv verfolgen Sie die Profiszene heute – und haben Sie einen Lieblingsspieler?

Heute nicht mehr ganz so viel wie früher. Es gab auch einige Jahre, da hatte ich wenig Bezug, weil mich viele Spieler nicht angesprochen haben. Aber ich gebe zu: Roger Federer ist wirklich einer der ästhetischsten Spieler, den wir je erlebt haben. Ich habe ihn selbst bei einem Spiel in Wimbledon gesehen. Das war eines der großen Ereignisse der letzten Jahre, dass ich mal bei Wimbledon live dabei sein durfte. Da war er im Finale gegen Djokovic.

Trauen Sie Alexander Zverev zu, eine neue Ära zu dominieren, Grand Slam-Turniere zu gewinnen, die Nummer eins zu werden?

Man soll einen jungen Spieler nicht überfordern. Er hat noch eine Menge vor sich. Zverev hat, glaube ich, großes Talent. Aber er muss auch gut gefördert werden und er braucht auch die richtige Betreuung. Die große Stärke von Boris Becker war damals, dass er ein geniales Team um sich hatte mit Trainer, aber auch mit Ion Tiriac. So ein Umfeld hilft, um ganz nach oben kommen.

Was fasziniert Sie an der Sportart Tennis?

Dass es nie zu Ende ist. Dass man nicht auf Zeit spielen kann, wie beispielsweise im Fußball, sondern dass man - selbst wenn man lange zurückliegt - noch die Chance hat zu gewinnen. Und dass man um jedem Ball kämpfen muss und kämpfen kann. Und dass man ohne direkten Körperkontakt doch ein echtes Duell austragen kann.

Es wird viel über mangelnde TV-Präsenz des Tennissports gesprochen. Auch, weil der Sport nicht planbar ist, Matches häufig viele Stunden dauern. Würden Sie Regeländerungen, also verkürzende Maßnahmen, befürworten?

Also ich finde, dass Tennis einfach wieder mehr ins Fernsehen gehört. Denn wenn man sich in dieser hektischen Zeit, in der viele Jugendliche nur noch mit schnellen Videospielen operieren, mal ein bisschen Zeit nimmt und sich auf das Tennis einlässt, ist es einfach faszinierend. Tennis ist nichts für 10 Minuten. Bei Tennis gibt es auch kaum Werbeunterbrechungen. Tennis ist etwas für langfristig. Ich würde mir wünschen, dass wieder mehr Tennis gezeigt wird. Allerdings merkt man doch auch, wenn deutsche Spieler erfolgreich sind, wie Angelique Kerber, dann schauen die Leute auch wieder die Spiele an.

Als Politiker muss man auch starkem Gegenwind standhalten. Sind Sie auf dem Tennisplatz deshalb auch ein Kämpfertyp?

Ich habe selten verloren gegen jemanden, der schlechter war, weil ich auf dem Platz auch sehr viel Ballsicherheit ausüben wollte. Und dann gilt – wie im Leben auch: möglichst keine Fehler machen. Man muss den Ball tatsächlich einmal mehr rüberbringen als der Gegner und da muss man auch kämpfen können. Deswegen habe ich das gerne gemacht.

 
„Tennis ist fairer als Politik“

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern

Hilft es Ihnen auf dem Court, wenn man harte Duelle aus der Politik gewohnt ist?

Ich glaube der Unterschied ist, dass es in der Politik keine Regeln und keine echte Fairness gibt. Das ist im Tennis schon der Fall. Im Tennis gibt es sehr große Fairness, auch von den Zuschauern. Das ist schon beeindruckend.

Der Tennissport leidet – wie viele andere Sportarten auch! – unter dem Riesen Fußball, der vor allem medial alle anderen überragt. Bedauern Sie als Tennisfan diese Entwicklung?

Da ich auch Fußballfan bin, ist das okay. Ich schätze Fußball sehr. Der Hauptunterschied ist der: Im Fußball können viele Mannschaften und sehr viele Spieler erfolgreich sein. Im Tennis ist es doch anders: Man kennt die 10 Besten der Welt. Danach fällt es schwer. Trotzdem ist es ein ganz ästhetischer Sport und einer, der unglaubliche Körperbeherrschung braucht. Ein Tennisspieler ist per se kompletter als ein Fußballspieler. Ein Fußballspieler spielt eine Position, ein Tennisspieler spielt seine Position.

Angenommen Sie dürfen ein parteiübergreifendes Doppel organisieren – natürlich auch als Mixed denkbar: Mit wem würden Sie gern zusammenspielen? Und gegen welches Duo möchten Sie antreten?

Also meine Traumpartie wäre es, einmal im Leben mit Boris Becker zusammen zu spielen. Und als Gegner vielleicht Anton Hofreiter und Donald Trump, die haben beide die gleiche Frisur.

Zum Abschluss ergänzen Sie bitte folgenden Satz: „Tennis ist mein Sport, weil…“

…man bis zum Schluss gewinnen kann, nie ist was verloren.