Mark Keller: „Tennis macht süchtig!“

Er gehört zu den bekanntesten deutschen TV-Stars. Mark Keller, 53, spielte in Serien wie „Sterne des Südens“ oder „Alarm für Cobra 11“. Aktuell besetzt er in der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ eine Hauptrolle. Privat powert sich der Schauspieler und Sänger am liebsten auf dem Tennisplatz aus. Ein Interview über Duelle mit dem Sohn, Schauspielerei auf dem Court und Tennis als Entspannung nach einem Drehtag.

Herr Keller, in der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ spielen Sie seit vielen Jahren vor einer traumhaften Bergkulisse am Wilden Kaiser. Warum ist eine Stunde auf dem Tennisplatz immer noch schöner als eine Wanderung?

Es gibt Menschen, die Wandern gerne und es gibt Menschen, die spielen gerne Tennis. Ich ziehe Tennis vor. Ich liebe Tennis, schon lange. Richtige Bewegung an der frischen Luft, Sauerstoff tanken, das ist gut für die Blutversorgung – da spricht jetzt wieder der Arzt aus mir. Allen da draußen kann ich nur empfehlen: Nehmt den Schläger in die Hand, spielt ein paar Bälle. Ich garantiere euch: Ihr wollt nicht mehr damit aufhören.

Spielt Ihre Serienrolle, Dr. Kahnweiler, ein für den Zuschauer durchaus amüsanter Krankenhaus-Arzt eigentlich auch Tennis?

In der Rolle haben sie Dr. Kahnweiler Golf spielen lassen, ganz zu Anfang. Obwohl Golf nicht seine Stärke war, aber auch das haben wir gut hinbekommen. Tennis wäre eher mein Sport gewesen. Ich glaube, dass die Rolle des Dr. Kahnweilers doch eher schrullig ist und deswegen sieht man ihn nur im Krankenhaus. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht wird die Zukunft aus ihm einen richtigen Tennisprofi machen.

Ist Tennis nach einem harten Drehtag für Sie die perfekte Entspannung?

Sport generell ist nach dem Drehen entspannend, das Wichtigste überhaupt. Es läuft ja auch nicht immer alles rund am Set. Wenn ich dann zum Sport gehe oder auf dem Tenniscourt stehe, frage ich mich oft: ‚Weißt du eigentlich, was wirklich wichtig ist?!‘ Das Wichtigste ist doch unsere Gesundheit, gut zu schlafen und sich nicht verrückt zu machen, wenn die Dinge im Leben nicht so laufen, wie sie geplant waren. Alles andere ist ein schönes Plus. Nach einer Stunde Sport – ja, auch nach einem Tennismatch! –, kann ich wieder voller Energie arbeiten und mich auf das Wesentliche konzentrieren.

Auf Ihrer Webseite wird unter dem Punkt Sportarten an erster Stelle Tennis aufgeführt – dann folgen Tauchen und diverse Kampfsportarten. Stimmt die Reihenfolge?

Ich bin einmal für einen Film getaucht, aber relativ selten. Kampfsportarten habe ich früher sehr viel gemacht. Und Tennis habe ich die letzten Jahre immer gespielt. Aber es gibt ehrlich gesagt weitaus bessere Spieler als mich, zum Beispiel meinen Sohn Aaron. Er nennt sich selber Rafael Nadal. Ich sag ihm immer: ‚Aaron, du bist nicht Nadal!‘ Er zieht sich die gleichen Klamotten an und er macht das gleiche Theater beim Aufschlag. Manchmal trifft er die Bälle auch genauso. Ich antworte dann oft: ‚ Ich bin Federer!‘ Das Problem: Leider spiele ich überhaupt nicht wie er (lacht).

 
„Mit Carlo Thränhardt habe ich mir früher verrückte Matches geliefert“

Mark Keller, Schauspieler

Wer überredet wen zum Match – der Sohn den Vater oder umgekehrt?

Er wartet immer, bis ich schwach und müde bin. Er weiß genau: Ich fahre von Köln mit dem Auto bis zum Bodensee und während der Fahrt ruft er an und fragt: ‚Vater, sollen wir Tennis spielen?‘ Ich sage dann: ‚Aaron, ich stehe in einem Stau. Ich bin schon vier Stunden unterwegs, ich brauche bestimmt noch zwei, drei Stunden. Ich bin kaputt!‘ Dann komme ich zuhause an und freue mich auf ein Käffchen. Aber da steht dann schon mein Sohn mit Nadal-Tasche, seinem Tennisschläger und seinem Stirnband vor der Tür und ruft: ‚Vater, du musst dich beeilen, ich habe den Platz klargemacht.‘ Manchmal spielen wir dann zwei, drei Stunden.

Wie hat Ihre persönliche Tennis-Geschichte begonnen?

Früher hatte ich Tennis nie im Auge. Meine Großmutter, bei der ich aufgewachsen bin, konnte das nicht finanzieren, Tennis war ein Sport für die Reichen. Also spielte ich Tischtennis, war auch recht gut. Nebenbei habe ich Fußball gespielt und Judo gemacht. Bis zum Triumph von Boris (Becker, Anm. d. Red.) 1985 in Wimbledon. Da saß ich vor dem Fernseher und hab mir das Finale angeschaut. Plötzlich war ich komplett angefixt vom Tennis und habe jedes Spiel von Boris verfolgt.

Haben Sie später Training genommen?

Ich hatte 1990 in „Sterne des Südens“ meine erste Rolle bekommen. Bevor die Dreharbeiten losgingen, war ich in Fuerteventura und habe dort in der Tennisschule Ever-Court zum ersten Mal richtig gespielt. Die Vorhand habe ich sofort gut getroffen. Nach einer Woche Training spielte ich bei einem Spaß-Turnier mit und gewann direkt. Später durfte ich noch in einem Camp in Malaga trainieren. Jeden Morgen ging es um acht Uhr los. Danach war ich komplett tennisverrückt. In Köln lernte ich Carlo Tränhardt (Athletikcoach des deutschen Davis Cup-Teams, ehemaliger Hochsprung-Star, Anm. d. Red.) kennen. Wir haben uns viele harte Partien geliefert, die unmöglichsten Matches. Wer verloren hat, musste zum Beispiel das Essen bezahlen oder die Flüge.

Was macht Tennis für Sie zu einem tollen Sport?

Tennis im Fernsehen zu schauen, macht mich schon verrückt. Diese Emotionen in einem Match, Wahnsinn! Man spielt immer gegen sich selbst. Tennis ist für mich tatsächlich der beste Sport überhaupt. Man ist an der frischen Luft, hat eine gute Kondition, es geht in die Beine und es ist anstrengend. Wenn einen das Fieber gepackt hat, lässt es einen nie wieder los. Tennis macht süchtig!

 
„Tennis ist das Größte für mich!“

Mark Keller, Schauspieler

Sind Tennisspieler manchmal auch gute Schauspieler?

Mit Sicherheit. Schaut euch Boris an, was der früher auf dem Platz gemacht hat! Wenn er zwei Sätze hinten lag und im dritten Satz schon Matchbälle abwehren musste, dann hat der rumgebrüllt, sich selber gepusht. Wie er die Matches oft noch gedreht hat, war legendär. Tennisspieler sind alle super Typen im mentalen Bereich. Die wissen auch, wie man dem Gegner Schwächen vorgaukeln. Andy Murray ist für mich auch so ein Spezialist.

Was war Ihre größte schauspielerische Leistung auf dem Court?

Ich habe ja nie so extreme Matches gespielt. Ich glaube, ich kann mich auf dem Platz schlecht verstellen. Was ich weiß: Ich hasse es, zu verlieren! Und leider schreie ich auch und habe mich oft schwer im Griff. Das ist schlimm. Ich habe aber gelesen, dass Federer früher auch so war. Dann bekam er Hilfe von einem Mentalcoach. So einen hätte ich auch gebraucht als ich jung war. Jetzt kann ich es immer auf das Alter schieben.

In der ARD-Serie „Sterne des Südens“ spielten Sie früher den charismatischen Animateur, Typ Sonnyboy. Wie wäre es mit der Rolle des Tennislehrers, der den Frauen den Kopf verdreht?

Das wäre früher, als ich 24, 25 Jahre alt war, vielleicht möglich gewesen. Inzwischen bin ich doch ein alter Mann (lacht). Aber grundsätzlich wäre eine Rolle mit Tennisbezug großartig.

Spielt Ihr Bergdoktor-Kollege Hans Sigl Tennis?

Er ist ein sehr guter Golfer, aber Tennis habe ich mit ihm noch nicht gespielt. Er ist groß, er könnte sicher gut auf die Bälle donnern, wenn er den Aufschlag ein bisschen trainiert.

Haben Sie den Borg/McEnroe-Film gesehen?

Ja, klar, mit Shia LaBeouf! Er ist ein super Schauspieler. Der hat den McEnroe grandios gespielt. Ich habe mir danach noch mal das Match von damals angeschaut – die haben in dem Film die Ballwechsel echt stark nachgespielt. Irgendwann wird sicherlich auch mal einen Becker-Film geben. Boris hätte es schon lange mal verdient, dass seine Geschichte verfilmt wird.

Sie kennen ihn, haben Sie noch Kontakt?

Ja, ich war bei seinem 50. Geburtstag. Wir sind befreundet. Nicht so, dass wir uns ständig treffen, aber über die Jahre immer mal wieder. Ich habe großen Respekt vor ihm, er ist ein Kämpfer und er macht den Mund auf. Das finde ich gut. Ich freue mich, dass er jetzt beim Deutschen Tennis Bund ist. Er gehört zum Tennis. Er ist heute ein großartiger Coach und ein guter Analytiker. Ich hoffe, dass er dem Tennis lange erhalten bleibt.

Zum Abschluss ergänzen Sie bitte den Satz: Tennis ist mein Sport, weil…

…es das Größte ist für mich! Auch, wenn ich es nicht so gut kann, wie ich es gerne wollte.

Interview-Highlights als Video

Interview - Teil 1

Interview - Teil 2

Interview - Teil 3

Interview - Teil 4