„Am liebsten spiele ich auf Sand“

Als Skirennläuferin hat sie nahezu alle Titel gewonnen. Abseits der Piste liebt Maria Höfl-Riesch (33) Racket und Filzball. Früher spielte sie sogar Punktspiele und Turniere. Im ersten Teil des Interviews spricht sie über ihren Paradeschlag Vorhand Topspin, Parallelen zum Skifahren – und darüber, wie intensiv sie die Profitour verfolgt.

Maria, wenn man im Internet nach Tennisbildern von Ihnen sucht, dann findet man eine Menge Motive, auf denen Sie vor allem die Vorhand mit viel Spin durchziehen. Ihr Paradeschlag?

Ja, das ist tatsächlich mein Lieblingsschlag (lacht). Leider komme ich inzwischen viel zu selten zum Tennisspielen. Als Kind habe ich sehr viel gespielt – bis zum Alter von 13, 14 waren Tennis und Ski bei mir etwa gleich gewichtet. Irgendwann musste ich mich dann für eine Sportart entscheiden und das war das Skifahren. Tennis habe ich aber nie ganz aus den Augen verloren.

Wie ambitioniert haben Sie gespielt?

Ich habe nicht wirklich hochklassig gespielt. An Punktspielen für meinen Club habe ich schon immer teilgenommen, erst als Bambini, dann in den Mädchen-, Juniorinnen- und Damenmannschaften. Die Wettkämpfe immer sehr viel Spaß gemacht.

In welchem Club haben Sie gespielt?

Ich hatte mehrmals wöchentlich Training beim SC Riessersee in Garmisch und später dann beim TC Grainau – das ist unterhalb der Zugspitze. Für mich einer der schönsten Tennisplätze in Deutschland.

 
... beim Tennistraining waren natürlich Elemente dabei, die mir auch für meine körperliche Fitness beim Skifahren geholfen haben...

Maria Höfl-Riesch

Kann man als Skifahrer etwas vom Tennis lernen oder umgekehrt?

Klar, beim Tennistraining waren natürlich Elemente dabei, die mir auch für meine körperliche Fitness beim Skifahren geholfen haben. Und auch die Koordination ist beim Skifahren extrem wichtig.

Tennis gilt als ein mental anspruchsvoller Sport. Beim Skifahren fährt man letztlich vor allem gegen die Uhr. Gibt es da eine Vergleichbarkeit?

Mental anspruchsvoll sind sicher beide Sportarten. Der Unterschied ist, dass man die mentale Anspannung beim Tennis teilweise über Stunden halten muss. Ich bewundere, wie sich Tennisspieler dabei immer wieder neu konzentrieren. Beim stundenlangen Training am Gletscher haben wir das teilweise auch, aber beim Wettkampf sind es dann nur eineinhalb bis zwei Minuten Konzentration. Das hat Vor- und Nachteile: Beim Tennis kann man einen Fehler eher wieder ausgleichen, beim Skifahren ist man entweder raus oder verliert sehr viel Zeit.

Finden Sie Tennis anstrengend?

Durchaus, vor allem bei langen Ballwechseln. Das Niveau im Weltklassetennis ist wirklich unglaublich. Es ist schon sehr faszinierend, was für spektakuläre Ballwechsel entstehen und wie viel Ausdauer und vor allem Schnellkraftausdauer die Spieler benötigen.

Wie intensiv verfolgen Sie die Profitour?

Das ist abhängig davon, wie viel Zeit ich habe. Ich bin viel unterwegs und habe nicht immer die Möglichkeit, die Übertragungen zu verfolgen. Zum Glück gibt es Social Media. Über Twitter und Instagram checke ich vor allem die Ergebnisse der Deutschen. Besonders gerne schaue ich mir auch Spiele vor Ort an, das ist einfach noch spannender und intensiver. Bei den Olympischen Spielen in Rio konnte ich zum Beispiel Angelique Kerber live bewundern.

Besuchen Sie regelmäßig Turniere auf der Tour?

Nein, regelmäßig nicht. Als ich zwei Kreuzbandrisse in einem Jahr erlitten hatte und selbst nicht trainieren konnte, hatte ich im Sommer viel Zeit für solche Dinge. Damals war ich zweimal beim Rothenbaum-Turnier in Hamburg und einmal beim Mercedes Cup in Stuttgart.

Und bei Grand Slams?

Nein, bei den Grand Slams war ich leider noch nie. Wimbledon, Paris, Flushing Meadows – eins von denen zu besuchen, ist ein großer Traum von mir. Die Australian Open sind mir zu weit weg, einen so langen Trip würde ich mir nicht antun (lacht).

Sie dürfen sich einen Court der Grand Slams aussuchen, um ein paar Bälle zu schlagen. Wo würden Sie gerne spielen?

Roland Garros. Wimbledon hat zwar die noch größere Tradition und das ist auch immer toll anzuschauen, aber ich bin einfach ein Sandplatz-Fan. Das ist mein Belag auch wenn man nach dem Spiel wirklich schlimm aussieht. Außerdem geht auf dem Sandplatz alles ein bisschen langsamer, die Bälle springen nicht so schnell – das kommt mir entgegen.

 
... Ich glaube, ich habe ein ganz gutes Auge - ich sehe früh, wohin der Gegner den Ball spielt...

Maria Höfl-Riesch

Welche Stärken und Schwächen haben Sie auf dem Court?

Ich glaube, ich habe ein ganz gutes Auge - ich sehe früh, wohin der Gegner den Ball spielt. Außerdem ist die Vorhand eher meine Stärke als die Rückhand. Mein Aufschlag ist tagesformabhängig. Wenn es beim Einspielen gut funktioniert, dann klappt es beim Spiel meistens nicht mehr und andersherum (lacht). Ich bin auch nicht die Schnellste, obwohl man immer denkt, dass es beim Slalom so schnell geht. Eigentlich ist Skifahren aber eher eine Sportart für langsamen Muskelfasern. Das Wichtigste ist aber glaube ich, dass man einfach Spaß hat.

Wie oft spielen Sie heute noch?

Viel zu wenig, vielleicht drei-, viermal im ganzen Sommer. Beim Tennis braucht man eben immer einen Partner und mein Mann, mit dem ich hauptsächlich spiele, ist beruflich eingespannt und macht auch in seiner Freizeit eher Ausdauersport. Deswegen kommt Tennis leider viel zu kurz. Ich hoffe, das lässt sich irgendwann auch wieder ändern.

Wie ehrgeizig waren Sie früher?

Sehr, ich war keine gute Verliererin. Da ist schon mal ein Schläger geflogen und als Kind auch mal die eine oder andere Träne geflossen. Aber der Ehrgeiz zeichnet einen Sportler aus. In 13, 14 Jahren Leistungssport lernt man dann natürlich, auch mal zu verlieren und damit umzugehen. Deswegen bin ich heute auch beim Tennis viel entspannter.

Was macht Tennis zu einem tollen Sport?

Als Zuschauer finde ich es wahnsinnig spannend und faszinierend, welche Wege teilweise in kurzer Zeit zurückgelegt werden. Wenn ich selbst spiele, ist es immer wieder eine Herausforderung für mich, die Bälle sauber zu treffen, selbst nach so vielen Jahren. Außerdem kann man sich beim Tennis richtig schön auspowern.

Wie ist Ihr Kontakt zu den Tennisprofis? Haben Sie einen direkten Draht zu den deutschen Spielerinnen?

Hin und wieder trifft man sich, meistens bei Veranstaltungen mit vielen Leuten. Angelique Kerber ist da natürlich höchst gefragt seit den letzten Jahren. Darüber hinaus ist es schwierig, wirklich häufig zusammen zu kommen. Aber es gibt immer mal wieder Kontakt.

 
... Nach einer Stunde auf dem Tennisplatz fühlt man sich körperlich schon sehr zufrieden...

Maria Höfl-Riesch

Haben Sie eine Lieblingsspieler auf der Tour?

Absolut Roger Federer! Er war ja eigentlich schon weg – und hat sich jetzt wieder so zurückgekämpft. Davor habe ich einen riesigen Respekt.

Im Tennis wird viel über die mangelnde Aufmerksamkeit der Medien diskutiert. Fußball überstrahlt alles. Wie stehen Sie als ehemalige Skirennfahrerin dazu?

Ich denke, der Skisport hat ähnlich zu kämpfen. Der Unterschied ist, dass die Tennisspieler trotzdem immer noch wahnsinnig viel Geld verdienen. Beim Skifahren beschränken sich die großen Einkommen – das ganz große wie beim Tennis gibt es bei uns glaube ich gar nicht – auf sehr wenige Sportler. Aber ich möchte mich gar nicht beschweren, ich habe Gott sei Dank dreimal zum richtigen Zeitpunkt zugeschlagen: Bei neun olympischen Rennen konnte ich immerhin vier Medaillen gewinnen, davon dreimal Gold. Viel besser kann es eigentlich gar nicht laufen.

Beschreiben Sie mal das Gefühl, nach einer Stunde oder mehreren Stunden vom Court zu kommen…

Das kommt ganz darauf an, wie es lief (lacht). Wenn ich gute Bälle gespielt und vielleicht sogar ein Match gewonnen habe, bin ich natürlich besser drauf als wenn ich viele Fehler gemacht habe. Aber ich weiß, worauf Sie hinaus wollen. Nach einer Stunde auf dem Tennisplatz fühlt man sich körperlich schon sehr zufrieden.

Sind Sie eigentlich nervenstark?

Wenn ich spiele, geht es ja inzwischen meistens nur noch um den Spaß. Aber ich glaube, ich wäre auch heute noch durchaus mental stark. Das habe ich beim Skifahren gelernt.

Sie dürfen sich einen Mixed-Partner für eine Stunde wünschen…

Ich habe schon einmal bei den BMW Open in München mit Tommy Haas Mixed gespielt und auch mit Thomas Muster stand ich schon auf dem Platz. Das war natürlich wahnsinnig spannend. Wenn ich heute wählen durfte, dann natürlich Roger Federer.

Interview-Highlights als Video

Interview - Teil 1

Interview - Teil 2

Interview - Teil 3

Interview - Teil 4