„Früher war ich Boris auf der Straße“

Julius Brink war Welt- und Europameister sowie Olympiasieger im Beachvolleyball. Im Interview erzählt er von seiner Leidenschaft für Tennis – wie er als Kind auf der Straße spielte und dass er davon träumt einmal auf Rasen zu spielen. Am liebsten mit Boris Becker.

Julius, ergänzen Sie doch bitte einmal folgenden Satzanfang: Tennis ist für mich…

… das neue Beachvolleyball, weil ich daran inzwischen die gleiche Freude habe!

Was begeistert einen Beachvolleyballer am Tennis?

Der Tennissport vereint viele Aspekte vom Beachvolleyball. Beides sind Rückschlagsportarten, man muss viel mit sich selbst ausmachen. Tennis ist ein athletisch fordernder Sport, der taktische Aspekt ist wichtig, man muss so viele Techniken beherrschen, um wirklich erfolgreich zu sein. Auch das ist ähnlich wie beim Beachvolleyball. Tennis ist ein beeindruckender Sport.

Wie sind Sie zum Tennis gekommen?

Ich bin quasi auf der Rückseite eines Tennisplatzes groß geworden, beim RTHC in Leverkusen. Mein damaliger bester Freund wohnte auf einem Grundstück direkt am Court. Deshalb lagen oft Bälle im Garten. Wir haben dann auf der Straße ein Feld mit Kreide gezogen und dann ging es los. Wir hatten Riesenspaß. Irgendwann habe ich dann richtig gespielt, auch Camps in den Ferien besucht. Tennis war der erste Sport, den ich richtig mit Leidenschaft ausgeübt habe. Später bin ich dann zum Beachvolleyball gewechselt und habe Tennis nur noch in den Sommerferien oder in der Freizeit gespielt.

Sie sind 1982 geboren – also quasi mit Boris Becker und Steffi Graf aufgewachsen?

Ja, ich habe ständig im Fernsehen Tennis geschaut. Stundenlang. Das war eine grandiose Ära. Nach den Matches griffen wir dann immer selbst zum Schläger. Da konnte man dann der kleine Boris Becker auf der Straße sein.

 
... Techniktraining macht mir so viel Spaß, dass ich regelmäßig Einzelunterricht nehme...

Julius Brink

Wie oft spielen Sie heute?

Techniktraining macht mir so viel Spaß, dass ich regelmäßig Einzelunterricht nehme. Dafür gehe ich zu der Frau von Marc-Kevin Goellner, seine Akademie ist bei mir um die Ecke. Dort möchte ich noch mal richtig die Grundtechniken erlernen, weil ich es fürchterlich finde eine Sportart nicht zu beherrschen und trotzdem direkt zu spielen.

Was sind Ihre Stärken und Schwächen auf dem Platz?

Man sagt mir nach, einen ganz guten Aufschlag zu haben. Das ist natürlich eine Bewegung, die dem Beachvolleyballaufschlag sehr nahekommt. Auch das Ballgefühl würde ich als meine Stärke sehen. Die Rückhand ist dagegen nicht so meins. Ich spiele sie beidhändig und fühle mich dabei immer ein bisschen blockiert.

Welche Profis bewundern Sie?

Es ist interessant zu sehen, wie es die allerbesten machen, da kann man sich vieles abschauen. Von Roger Federer natürlich alle Techniken, aber auch Rafael Nadal mag ich. Er ist so ein Kämpfer und gerade auf Asche brilliert er. Auch Andy Murray schaue ich mir sehr gerne an. Die verschiedenen Persönlichkeiten im Tennis sind schon spannend.

Als Beachvolleyballer waren Sie sehr emotional. Sie wurden sogar einmal mit John McEnroe verglichen.

Das finde ich das Tolle am Sport, man kann sich nicht verstellen, man sagt was man denkt. Das ist vielleicht nicht immer angepasst, viele Dinge rutschen einfach heraus. Ich glaube, wie ich Beachvolleyball spiele, spiele ich auch Tennis – sicherlich emotional. Bisher bin ich aber noch auf keiner Anlage des Feldes verwiesen worden (lacht).

 
... 2012 war ich beim Olympiafinale in London zwischen Murray und Federer live im Stadion...

Julius Brink

Haben Sie schon Turniere auf der Tour besucht?

Als kleiner Junge habe ich mir in Leverkusen einige Bundesligaspiele angeschaut. 2012 war ich dann beim Olympiafinale in London zwischen Murray und Federer live im Stadion. Damals hatten sie in Wimbledon das olympische Tennisturnier gespielt. Dustin Brown habe ich mir auch auf einem Außenplatz angeschaut. Das war wirklich cool, eine geniale Atmosphäre.

Haben Sie einen Tennis-Traum?

Ich würde wirklich gerne mal auf Rasen spielen. In Wimbledon wäre das natürlich toll, aber Deutschland wäre auch okay. Es gibt ja einige Rasenplätze bei uns.

Und wenn Sie einen Doppel- oder Mixedpartner wählen könnten?

Doppel würde ich gerne mal mit Boris Becker spielen, weil er natürlich eine Ikone meiner Jugend ist und im Mixed nehme ich Steffi Graf.

Welche Wünsche haben Sie für deine eigene Tenniskarriere?

Für mich wäre es ein Erfolg die einzelnen Grundtechniken richtig zu beherrschen und dann einfach sagen zu können „Lass uns eine Runde spielen“. Das ist mein Ziel.

Interview-Highlights als Video

Interview - Teil1

Interview - Teil2