Friedhelm Funkel: „Tennis ist ein guter Ausgleich zum Fußball“

Friedhelm Funkel (64) gehört zu den bekanntesten Trainern der Fußball-Bundesliga. Der Coach des Erstligisten Fortuna Düsseldorf steht aber auch regelmäßig auf dem Tenniscourt. Ein Gespräch über Punktspiele, Parallelen zum Fußball sowie den Vergleich von Roger Federer & Lionel Messi.

Herr Funkel, wir wollen mit Ihnen über Tennis plaudern. Fangen wir doch mal so an: Wann haben Sie das letzte Mal gespielt?

Jetzt muss ich kurz überlegen. Vor einer Woche etwa. Aber ich spiele heute Nachmittag wieder gegen einen Kumpel. Wir werden uns zwei Stunden die Bälle um die Ohren hauen. Ich freue mich schon. Tennis ist ein großartiger Sport.

Also spielen Sie regelmäßig?

Ja, seit etwa vier Jahren spiele ich in einer Mannschaft. Mein Club ist der CHTC Krefeld. Als wir mit Fortuna in der vergangenen Saison noch in der zweiten Liga gespielt und häufig sonntags antreten mussten, konnte ich samstags meine Punktspiele bestreiten. Ich habe mich durch das intensive Spielen auch schon verbessert, Tennis bereitet mir unglaublich viel Spaß. Ich fand den Sport aber immer schon faszinierend. Angefangen habe ich vor 40 Jahren, meistens dann im Urlaub mal Bälle geschlagen. Man darf schon sagen, dass Tennis eine meiner Leidenschaften ist.

Sie als Mannschaftssportler genießen Tennis vor allem als Teamsport?

Zumindest sechs Wochen im Jahr, wenn die Punktspiele stattfinden. Wir trainieren auch einmal in der Woche zusammen, ich kann natürlich nicht immer dabei sein. Aber wenn, dann sitzen wir abends nach dem Training gemütlich zusammen, trinken noch ein Gläschen Wein und essen gemeinsam. Auch nach den Punktspielen mit den gegnerischen Mannschaften. In der Regel sind die auch immer sehr nett. Ich habe noch nie erlebt, dass es Diskussion oder Streitigkeiten gab.

Sind Sie auf dem Court der Typ Dauerläufer?

Ich bin tatsächlich ein Spieler, der sehr viel läuft und der nicht so eine brillante Technik hat. Meine Rückhand ist deutlich schwächer als die Vorhand. Unterm Strich würde ich sagen: Ich spiele ganz ordentlich, natürlich in einem bescheidenden Rahmen. Gott sei Dank habe ich das außergewöhnliche Glück, von Verletzungen bisher verschont geblieben zu sein. Ich hatte nie ernsthaft etwas. Das ist bei den Herren 55 schon ein großer Vorteil.

 
„Ich spiele ganz ordentlich, natürlich in einem bescheidenden Rahmen…“

Friedhelm Funkel, Trainer von Fortuna Düsseldorf

Tennis ist ein idealer Ausgleich zum Fußball – würden Sie diese Aussage unterschreiben?

Ja, absolut. Tennis beinhaltet viele Komponenten der Fitness. Wenn man zwei Stunden Tennis spielt, dann weiß man, was man getan hat. Vor allem nach einem Einzel. Ein Medenspiel von mir endet nie unter eineinhalb Stunden. Wie bereits erwähnt: Ich laufe viel, bringe viele Bälle zurück (schmunzelt). Als Fußballtrainer bin ich natürlich nicht mehr so intensiv im Training dabei, das ist körperlich nicht möglich. Neben dem Joggen ist Tennis deshalb ideal für mich. Man hält sich fit und die Figur bleibt noch einigermaßen anschaulich.

Sie als Trainerikone muss man natürlich fragen: Was zeichnet generell einen guten Coach aus?

Ich glaube, dass es wichtig ist, als Trainer authentisch zu sein. Man sollte nicht versuchen, etwas zu vermitteln, worin man sich selbst nicht erkennen kann. Eine gewisse Sympathie auszustrahlen, ist auch nicht unwichtig. Du darfst nicht zu verbissen sein! Das gilt für einen Bundesligatrainer genauso wie für einen Tenniscoach einer Medenmannschaft. Und trotzdem musst du deine Themen mit Nachdruck transportieren. Entscheidend ist sicher immer auch eine individuelle Ansprache. Jeder einzelne Mensch ist anders, darauf gilt es zu achten.

Wenn Sie sich in einen Tenniscoach hineinversetzen: Welche Unterschiede zum Fußball sind entscheidend?

Bei einem Einzelsportler hast du nur diese individuelle Aufgabe. Du konzentrierst dich auf einen einzelnen Menschen. Im Mannschaftssport, also im Fußball, hast du 25, 26 manchmal sogar 30 Spieler, auf deren verschiedenen Charaktere du eingehen musst. Da gibt es häufig auch Entscheidungen zu treffen, die unangenehm sind. Zum Beispiel, wenn ein Spieler aus dem Kader gestrichen wird. Möglicherweise musst du als Tennisspieler aber noch sensibler auf gewisse Situationen reagieren. Man kann nicht so coachen wie als Bundesligatrainer, der immer mal die Möglichkeit hat, einen Spieler an den Rand zu holen und ihm Instruktionen zu geben. Ich glaube, der Job als Tenniscoach ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit. Man reist durch die ganze Welt, das liegt nicht jedem. So schön es auch klingt: von Australien nach Europa, dann wieder nach Amerika und nach Asien. Du schläfst nur in Hotels – das ist schon eine hammerschwere Aufgabe.

Wenn Sie mit dem Team im Trainingslager sind, wird dann auch mal Tennis gespielt?

Ja, das ist auch schon mal vorgekommen. Außerdem ist Ulf Becker, der langjährige Arzt des Fed Cup-Teams, auch unser Mannschaftsarzt bei Fortuna Düsseldorf. Durch ihn bekommen wir natürlich viel mit. Als wir im Juli im Trainingslager waren, haben wir zwischen den Einheiten Wimbledon verfolgt. Die meisten bei uns sind tennisbegeistert. Tennis ist bei Fußballprofis eine sehr beliebte Sportart – Ballgefühl haben alle und viele schwingen zumindest im Urlaub gern mal den Schläger.

 
„Federer und Messie haben beide dieses Elegante, diese Leichtigkeit in ihrem Spiel…“

Friedhelm Funkel, Trainer von Fortuna Düsseldorf

Wer ist bei Fortuna Düsseldorf der beste Tennisspieler?

Sehr gut spielt Oliver Fink. Er ist in der neuen Saison mit 36 Jahren übrigens der älteste Bundesligaspieler.

Wie intensiv verfolgen Sie die Profitour?

Ich habe das große Glück, dass meine Frau auch eine sehr gute Tennisspielerin ist, deshalb schauen wir auch gern gemeinsam Tennis. Ich bin auch ein Anhänger der Tennis-Bundesliga. Bei Blau-Weiß Krefeld schaue ich regelmäßig zu. Es ist eine wirklich schöne kleine Anlage. Ich wohne nur 500 Meter vom Club entfernt. Wenn es zeitlich passt, gucke ich vorbei. Das sind immer tolle Nachmittage.

Haben Sie einen Lieblingsspieler auf der Tour?

Früher haben mich natürlich Boris Becker und Steffi Graf geprägt. Das Davis Cup-Match von Becker und McEnroe in Hartford werde ich nie vergessen. Heute ist es ganz klar Roger Federer, Gott sei Dank spielt er noch. Es ist unglaublich, mit welch einer Leichtigkeit er agiert. Es ist einfach begeisternd, ihm zuzuschauen. Er ist sicher der Beste, den es je gegeben hat.

Lässt sich Roger Federer mit Lionel Messi vergleichen?

Ja, absolut! Roger ist für mich der Tennisspieler schlechthin. Federer und Messie haben beide dieses Elegante, diese Leichtigkeit in ihrem Spiel.

Haben Sie Federer schon einmal live gesehen?

Nein, leider noch nicht. Das ist noch ein großer Wunsch von mir. Ich war noch nie in Paris oder in Wimbledon. Aber ich habe in Frankfurt schon einmal Boris Becker gesehen.

Damals, bei der ATP-Weltmeisterschaft…

Genau. Wenn ich nicht mehr als Trainer arbeite, dann werde ich mir noch mal eines der großen Turniere hier in Europa anschauen. Den Wunsch werde ich mir mit Sicherheit erfüllen.

Zum Abschluss beenden Sie bitte den Satz: Tennis ist mein Sport, weil…?

… weil ich viele Verbindungen zum Fußball erkenne, weil ich mich körperlich über zwei Stunden oder länger austoben kann, weil ich es faszinierend finde, was man mit einem Tennisball alles machen kann und weil es ein Mann-gegen-Mann-Sport ist, in dem man sich beweisen und durchsetzen muss.