„Tennis ist für mich pure Freude“

Er ist einer der bekanntesten deutschen Unternehmer – Dirk Rossmann, Geschäftsführer einer Drogeriemarktkette. Der 71-Jährige steht regelmäßig auf dem Court, gemeinsam mit seinem Freund Martin Kind. Im Doppelinterview erzählen sie von ihrer Liebe zum Tennissport.

Herr Roßmann, Herr Kind, Sie stehen regelmäßig zusammen auf dem Court. Warum spielen Sie so gerne Tennis?

Roßmann: Ich spiele bereits seit meinem 12. Lebensjahr Tennis und finde, dass der Sport einfach unglaublich viel Spaß macht. Toll finde ich, dass man auch immer noch in einem hohen Alter spielen kann. Denken Sie doch mal an Fußball mit all den Verletzungen! Beim Tennis finde ich es einfach spannend, dass immer wieder neue, unerwartete Dinge passieren. Ich habe einen eigenen Tennisplatz bei mir zuhause und für mich ist das einfach eine pure Freude, anders kann ich das gar nicht sagen.

Kind: Ich liebe einfach den Ballsport! Tennis habe ich mir mehr oder weniger autodidaktisch angeeignet, da meine Eltern früher gar kein Geld hatten, um mir Trainingsstunden zu bezahlen. Deswegen bin ich auch schlechter als Dirk.

Roßmann: Du bist ein toller Doppelspieler, Martin! Nur im Einzel bin ich besser.

Kind: Ich finde, dass Tennis eine gute Mischung aus allem bietet. Man braucht Technik, Taktik, Ballgefühl und man muss auch noch schnell auf den Beinen sein. Ein bunter Strauß einfach! Und ich finde, dass Tennis ein super Sport ist, um sich fit zu halten. Im Doppel haben wir noch immer den Ehrgeiz, stets als Sieger vom Platz zu gehen. Die sportlichen Ambitionen sind also definitiv noch da.

Nehmen Sie denn auch noch richtiges Training oder spielen Sie nur noch rein zum Spaß?

Kind: Wir spielen nur zum Spaß und machen uns auch nicht mal mehr warm (lacht). Wir gehen auf den Platz und spielen.

Was ist anstrengender: Ein Doppelmatch beim Tennis oder auf der Tribüne bei Hannover 96 mitfiebern?

Kind: Bei Hannover 96 die Verantwortung zu tragen, das ist anstrengender.

 
… Tennis ist für mich ein ganz wichtiger Ausgleich zum Beruf...

Dirk Rossmann

Ist Tennis auch eine Art Ausgleich zu Ihren intensiven Jobs?

Roßmann: Für mich ist das ein ganz wichtiger Ausgleich. Mein Beruf bedeutet ja auch nachdenken, Entscheidungen treffen, Probleme wälzen oder auch Konflikte schlichten. Das sind meistens ernste Angelegenheiten. Sobald ich dann auf dem Tennisplatz stehe, ist mir eigentlich sofort alles wurscht. Dann vergesse ich sogar, wie ich heiße und wo ich wohne (lacht). Dann zählen nur noch der Ball und das Miteinander. Ich muss schon so richtig schlecht drauf sein, um beim Tennis nicht abschalten zu können. Tennis ist für mich Entspannung.

Kind: Mir geht es da sehr ähnlich. Ich habe festgestellt, dass man schlechter Tennis spielt, wenn man auf dem Platz den Kopf nicht frei hat. Immer wenn ich da entspannt auf den Court gehe und in der Lage bin, alles zu verdrängen, kann ich mich besser konzentrieren und bin schneller.

Roßmann: Was ich auch sofort merke: Man spielt sofort schlechter, wenn man ein paar Wochen aussetzen musste. Da leidet das Niveau, das ist erkennbar. In unserem Alter ist das vielleicht noch gravierender als wenn man 25 ist. Beim Aufschlag zum Beispiel, da merke ich sofort, dass die Konstanz schwindet, wenn ich nicht regelmäßig zum Spielen komme. Der braucht am meisten Training.

Stimmt es, dass Sie eine Halle in Burgwedel gemeinsam saniert haben?

Kind: Erstmal haben wir sie gekauft und dann praktisch neu gebaut. Wir haben dort immer wieder gespielt und das war eine marode Halle, in die seit 20, 30 Jahren gar nicht investiert wurde. Ich schlug Dirk damals vor, dass wir die Halle kaufen sollten, um etwas Vernünftiges daraus zu machen.

Roßmann: Davon war ich zunächst gar nicht begeistert. Ich hatte Angst, dass das alles wieder Arbeit machen würde. Nach einem halben Jahr hatte Martin mich dann doch überzeugt.

Kind: Die Halle wurde komplett neu gestaltet, mit Hallen- und Außenplätzen und einem Fitnessbereich mit Sauna. Wir bieten die Nutzung kostengünstig an.. Für uns ist es schön zu sehen, dass die Halle im Winter von sieben bis 22 Uhr wirklich immer ausgebucht ist und dass viele Kinder hier zum Tennisschläger greifen. Wir haben das Gefühl, dass diese Investition ganz Burgwedel einen Impuls gegeben hat, durch den mehr Leute nun wieder Tennis spielen.

Roßmann: In gewisser Weise habe ich auch den Eindruck, dass wir so eine Art Marketingabteilung geworden sind. Durch unser Engagement haben wir mehr Leute zum Tennisspielen bewegt.

 
… McEnroe und Borg waren inspirierende Idole. Eine tolle Zeit…

Dirk Rossmann

Erinnern Sie sich noch an besondere Matches, die Sie früher im Fernsehen geschaut haben? Hatten Sie Idole?

Kind: Ja, natürlich! Früher mit Lendl, Agassi, Becker…hier in Hannover wurden ja eine lange Zeit Matches ausgetragen, die ATP-Weltmeisterschaften. Das waren immer große Events, ich war oft vor Ort. Als in Amerika spannende Partien liefen, die bei uns nachts übertragen wurden, bin ich extra wachgeblieben.

Roßmann: Mit McEnroe und Borg früher, das war ja richtiger Kult, wie die Tennis gespielt haben. Das waren inspirierende Idole. Eine tolle Zeit.

Wie intensiv verfolgen Sie die heutige Tennisszene noch?

Roßmann: Also ich habe wenig Zeit, um Tennis zu gucken. Aber Kerbers Erfolge haben mich in den vergangenen Jahren fasziniert. Ich schaue mir Damentennis in der Regel lieber an, bei den Herren sind mir die Ballwechsel teilweise zu schnell.

Kind: Es geht mir meistens genauso, dass ich gar nicht die Zeit habe, mir Tennis im Fernsehen anzuschauen. Die deutsche Tennisszene verfolge ich, indem ich Zeitung lese. So habe ich auch die Entwicklung von Alexander Zverev mitbekommen. Faszinierend finde ich auch, dass sich Novak Djokovic, der so ein starker Spieler war, nun in einer Problemphase befindet.

Roßmann: Ein tolles Event gibt es jedes Jahr im Juli mit den Sparkassen Open in Braunschweig, eines der erfolgreichsten Challenger-Events weltweit. Dort stehen wir immer im Vorprogramm mit dem Event Wirtschaft vs. Politik. Hier wurde wirklich ein gesellschaftliches Programm für die Stadt Braunschweig errichtet, was speziell bei gutem Wetter eine richtig lebensfrohe Angelegenheit ist.

Herr Roßmann, haben Sie schon einmal überlegt, Tennisprodukte in Ihren Filialen zu verkaufen?

Roßmann: Ich glaube, wir haben mal versucht, Tennisbälle zu verkaufen, aber wir haben Verkaufsstatistiken und da hat sich das nicht als großer Erfolg bewährt. Das ist auch einfach nicht unsere Welt. Ich denke, das sollten wir den Sportgeschäften überlassen.

 
… Ich hoffe, dass ich noch mit 80 spielen kann…

Dirk Rossmann

Gibt es in Ihren Tenniskarrieren noch offene Wünsche? Einmal ein 6:0 6:0 oder vier Asse in Folge?

Roßmann: Den einzigen Wunsch, den ich wirklich noch habe: möglichst lange Tennis spielen zu können! Seit einiger Zeit habe ich immer mal wieder Knieprobleme. Ich hoffe, dass ich vielleicht auch noch mit 80 Jahren Tennis spielen kann. Denn sonst würde mir etwas fehlen.

Kind: Über die Gesundheit denke ich im Moment ehrlich gesagt noch nicht nach, aber ich bestätige ausdrücklich, dass ich den gleichen Wunsch habe. Das ist doch klar! Wir freuen uns auf die Doppel mit Freunden und Personen aus der Öffentlichkeit.

Roßmann: Ich würde gerne nochmal mit Gerhard Schröder zusammen spielen, er ist ein spannender Mensch.

Der Ex-Kanzler behauptete übrigens einmal in einem Interview, dass er besser spiele als Sie. Stimmt das?

Roßmann: Da halten wir uns mal lieber zurück…(lacht).

Kind: Ich würde der Politik in diesem Fall natürlich nicht widersprechen.

Roßmann: Ich würde sogar sagen, dass er in gewisser Weise recht hat! Er hat nämlich viel weniger Zeit als wir, um zu trainieren und wenn man das berücksichtigt, dann ist er ein sehr guter Tennisspieler. Auch, weil er extrem ehrgeizig ist.