„Meine Sterblichkeit ist vom Tiebreak unabhängig“

Er ist Kabarettist, Komiker, Autor und Moderator – und er behauptet: „Tennis ist der schönste Sport der Welt!“ Dieter Nuhr (57) im Interview über seinen Ehrgeiz, Zitterarme im Tiebreak und warum andere Spieler nicht auf dem Court neben ihm trainieren sollten.

Herr Nuhr, hilft Ihnen Ihr Humor auf dem Tennisplatz?

Selten. Da läuft der Schweiß in die Augen, und dieser gelbe Ball tischt rum, da hat man Wichtigeres zu tun als zu lachen.

Was ist anstrengender: Ein abendliches Bühnenprogramm oder ein hartes Dreisatz-Match?

Körperlich ein Dreisatz-Match. Geistig sowieso. Einmal nicht konzentriert ist nicht nur die Pointe versaut, sondern auch der Satz verloren.

Sie haben einmal erzählt, dass Sie noch zu sehr „auf die Bälle kloppen“ würden. Haben Sie in Ihrem Spiel inzwischen einen Mix aus Offensive und Geduld gefunden?

Da habe ich dazugelernt, mein Spiel besser zu dosieren und mein Temperament zu zügeln. Ich lasse jetzt gerne mal den anderen den Fehler zuerst machen. Das ist zwar oft nicht so schön, aber effektiv. Heute ist mir das allerdings nicht gelungen...

 
Weil man beim Tennis grundsätzlich weniger auf die Fresse kriegt ...

Dieter Nuhr

Wie regelmäßig stehen Sie auf dem Platz?

Tennis auf der Tour kriege ich meistens nicht hin. Ab und zu lasse ich mir in Offenbach bei der Waske-Academy zeigen, was ich alles falsch mache. Die sind sensationell. Leider finden sie immer was Neues...

Sie nehmen also richtig Training?

Meistens spiele ich mit Freunden. Aber mal eine Trainerstunde wirkt oft Wunder.

Sie haben früher Handball gespielt. Warum dann der Wechsel zum Tennis?

Weil man beim Tennis grundsätzlich weniger auf die Fresse kriegt. Das ist sehr angenehm. Ich habe mit 48 angefangen zu spielen, war aber als Kind schon mal anderthalb Saisons im Tennisverein. Dadurch fällt es dann ein bisschen leichter. Da weiß man schon mal, wie rum man den Schläger halten muss.

Sie sind beim TC Bovert in Meerbusch bei Düsseldorf aktiv. Sind Sie einer von den Spielern, für die ihr Verein ein zweites Zuhause ist?

Dafür bin ich einfach zu viel auf Tournee. Das Vereinsleben kommt da leider zu kurz. Schade!

Sie servieren bei 9:9 im Champions-Tiebreak – nervenstark oder Zitterarm?

Da gibt es schlimmere Zitterarme. Ich persönlich glaube, dass meine Sterblichkeit vom Tiebreak unabhängig ist. Das hilft.

 
Roger Federer ist ein Typ, an dem es nichts zu kritisieren gibt, großartig.

Dieter Nuhr

Sie werden mit der Leistungsklasse 15 geführt, haben sich innerhalb eines Jahres um sieben Leistungsklassen verbessert. Ehrgeiz oder Talent?

Ich wollte einfach nicht mehr in meiner alten Mannschaft ganz hinten spielen. Momentan komme ich kaum noch zum Turnierspielen, deswegen wird es wohl erstmal nicht weiter nach oben gehen. Ich bin neben der Tour noch viel auf Reisen, da kommen auch LK-Turniere selten infrage. LK 15 hat den Vorteil, dass man gerne unterschätzt wird. Das ist ja auch ganz schön.

Ihre größte Waffe? Und die größte Schwäche?

Meine Vorhand hat oft einen guten Winkel. Und meine größte Schwäche werde ich hier mit Sicherheit nicht kundtun… Lautstärkeempfindliche sollten nicht auf dem Platz gleich neben mir spielen. Ich rege mich manchmal auf.

Berichten Sie uns bitte von Ihrem wichtigsten Sieg – und von Ihrer bittersten Niederlage.

Bitterste Niederlage war ein Spiel, in dem ich 9:6 im Matchtiebreak geführt hatte. Ich habe erst gemerkt, dass ich das Spiel noch verlieren könnte, als es vorbei war. Das war traumatisierend. Mein größter Sieg war ein 6:0 gegen Bert. Das war nicht wirklich wichtig, ich sage das hier nur, weil er es lesen könnte.

Wenn Sie Ihre Spielweise beschreiben – sind Sie eher der Federer- oder der Nadal-Typ?

Ich fürchte, beide spielen besser als ich. Wahrscheinlich sogar erheblich.

2016 haben Sie gemeinsam mit Henri Leconte bei einem Charity-Turnier Doppel gespielt. War er zufrieden mit Ihnen?

Ich bin mir nicht sicher, ob er irgendjemanden neben sich wahrnimmt. Michael Stich war ein ausgesprochen angenehmer Gegner.

 
Tour de France oder Formel 1 kann mir gestohlen bleiben [...]

Dieter Nuhr

Wie intensiv verfolgen Sie die Profiszene – und wer ist Ihr Lieblingsspieler?

Ich schau ganz gerne hin, bin aber nicht fanatischer Zuschauer. Wenn ich es mir aussuchen kann, spiele ich lieber selber. Roger Federer ist ein Typ, an dem es nichts zu kritisieren gibt, großartig.

Haben Sie schon ein Grand Slam-Turnier besucht? Und in welchem Stadion würden Sie gern zumindest einmal einen einzigen Ballwechsel spielen?

Klar, Wimbledon, aber ich denke, dazu wird es nicht kommen. Beim Grand Slam war ich noch nicht, aber ehrlich gesagt würde ich wirklich gerne mal hin. Tour de France oder Formel 1 kann mir gestohlen bleiben. Ich bin auch kein großer Anhänger von Schach oder Rhönrad.

Sie dürfen sich eine beliebige Mixed-Partnerin aussuchen – wen hätten Sie gern an Ihrer Seite?

Tennis? Oder kann ich mir auch die Sportart aussuchen? Das ist ja nicht unerheblich bei der Auswahl. Beim Rudern würde ich eine kräftigere Partnerin bevorzugen.

Vervollständigen Sie bitte folgenden Satzanfang: Tennis ist für mich...

…der schönste Sport der Welt, wenn nicht wieder Sturm und Nieselregen ist und der Wiederholungstermin auf Sonntags um 9:00 Uhr geschoben wird.