Bärbel Schäfer: „Tennis war meine Initialzündung“

Moderatorin, Produzentin, Autorin: Bärbel Schäfer hat viele Talente. Dazu zählte in ihrer Jugend auch der Tennissport. Im #UnserTennis- Interview berichtet sie von ihrer Vergangenheit als ehrgeiziges Nachwuchstalent und warum Tennis für sie eine Schule fürs Leben war.

Frau Schäfer, vor kurzem besuchten Sie für die Sendung „Alles auf Anfang“ den Tennisclub, bei dem Sie in Ihrer Jugend in Bremen aufgeschlagen haben. Wie hat Ihre Tennisleidenschaft eigentlich begonnen?

Ich stamme aus einer richtigen Tennisfamilie. Meine Eltern haben sich auf dem Court kennengelernt und ineinander verliebt. Auch ihr kompletter Freundeskreis spielte Tennis, so dass mein Bruder und ich praktisch auf dem Tennisplatz aufgewachsen sind. An den Wochenenden ging es fast immer auf den roten Sand. Der Tennisverein war für mich das Zentrum, um zu trainieren und mich zu messen. Dort habe ich zum ersten Mal Teamgeist erfahren und gelernt, mich in eine Mannschaft zu integrieren. Es war aber auch der Ort zum Freunde treffen und erste Partys feiern, wenn auch immer so ein bisschen unter der Obhut der Eltern.

Der Tennissport hat Sie als Mädchen so stark begeistert, dass Sie mit einem Tennis-Stipendium in den USA gegangen sind. Wie kam es dazu?

Es wurden damals Schüler gesucht, die Lust hatten, für ein Jahr in die USA zu gehen und dort eine Schulmannschaft zu unterstützen. Ich landete aufgrund meiner unleserlichen Handschrift aber erst mal nicht wie gewünscht in NY, in New York – sondern in ND, in North Dakota (lacht). So reiste ich dann ein Jahr lang durch den tiefsten Mittleren Westen, spielte mit meinem Team in Montana, Wisconsin und South Dakota. Und weil in Amerika vieles über den Schulsport und nicht wie bei uns über den Vereinssport organisiert ist, gab es sogar die Option, zu bleiben und später vielleicht ein Stipendium fürs College zu bekommen.

 
„Beim Tennis habe ich zum ersten Mal Teamgeist erfahren“

Bärbel Schäfer

Was hat Sie damals letztlich davon abgehalten hat, den professionellen Weg weiterzugehen?

Durch die vielen Fahrten quer durchs Land habe ich gemerkt, dass mir dieser Trott aus Herumreisen, Trainieren und Turniere spielen auf Dauer zu wenig Abwechslung bietet. Ich habe damals parallel für einen lokalen Fernsehsender vor Ort verschiedene Beiträge gemacht, in denen ich den US-Alltag aus der Perspektive eines europäischen Teenagers zeige. Wahrscheinlich hat mich diese Arbeit doch noch mehr angesprochen als die Aussicht auf eine Karriere als Tennisprofi, denn daraus ist letztlich mein Beruf geworden. Außerdem hätte mein Vater nach diesem Jahr in den USA dann auch noch einmal anders in meine Tenniskarriere investieren müssen – finanziell und zeitlich. Beides war damals nicht möglich.

Also haben Sie sich nie die Frage nach dem „was wäre wenn“ gestellt?

Nein. So bin ich eben zurück nach Bremen gegangen, habe mein Abi gemacht, dann in Köln eine kaufmännische Ausbildung absolviert und schließlich Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften und Germanistik studiert. Tennis habe ich währenddessen immer gespielt. Erst später wurde mein beruflicher Alltag mit der Verantwortung für eine Produktionsfirma, Mitarbeiter und die Moderation von Sendungen zu einnehmend. Was aber bleibt: Für mich war Tennis die Initialzündung, mir ein Ziel zu stecken und das konsequent zu verfolgen.

Haben Sie durch den Tennissport also auch etwas für Ihr Leben gelernt?

Wenn man sich auf ein sportliches Ziel einlässt und bereit ist, dafür viel zu trainieren, dann ist das immer eine gute Schule für das Leben. Durch den Tennissport habe ich gelernt, dass man zurückliegen kann, es aber immer wieder die Chance gibt, aufzuholen – auch bei 00:40. Dieses Wissen bleibt einem in allen Lebenslagen erhalten. Ich erlebe übrigens heute viele ehemalige Tennisspieler im Berufsleben als extrem fokussiert und gut organisiert.

Was fasziniert Sie am Tennis bis heute am meisten?

Tennis ist Schnelligkeit, Flexibilität, Variabilität, Herausforderung. Man stellt sich mit einem Gegner auf den Platz und weiß nicht, was passiert. Es gibt kein festes Zeitfenster wie beim Fußball. Es kann nach einer Stunde vorbei sein, aber auch erst nach drei Stunden. Dazu kommen die Einflüsse durch Wind und Wetter. Der Gegner kann ein Rechtshänder oder ein Linkshänder sein. Tennis ist außerdem ein Sport, der sehr viel an physischen Fähigkeiten, Koordination voraussetzt. Die mentale Komponente darf man bei diesem Sport ebenfalls nicht unterschätzen. Jeder Tag ist anders und sich über eine lange Strecke komplett zu fokussieren, ist eine große Herausforderung.

 
„Tennis ist Schnelligkeit, Flexibilität, Variabilität, Herausforderung.“

Bärbel Schäfer

Spielen Sie denn heute noch hin und wieder?

Leider habe ich mir vor einiger Zeit die Wadenmuskulatur durchgerissen und kann seither nicht mehr spielen. Nun stehe ich also regelmäßig am Spielfeldrand und schaue meinem Sohn mit großen Sehnsüchten beim Tennis zu. Er liebt diesen Sport genauso wie ich und dass ich das nicht mehr aktiv mit ihm teilen kann, ist mehr als bedauerlich.

Schauen Sie Tennis im Fernsehen oder live bei Turnieren?

Ich verfolge nicht mehr jedes Spiel, wenn es sich ergibt, dann schaue ich gerne ein Match im Fernsehen an. Ich war auch schon am Rothenbaum und beim Davis Cup dabei und habe versucht, Karten für Wimbledon zu bekommen. Ich mag die Atmosphäre bei Tennisveranstaltungen.

Mit welchem aktuellen oder ehemaligen Tennisstar würden Sie heutzutage gerne mal ein Interview führen und warum?

Ich interessiere mich für starke Persönlichkeiten. In Sachen Tennis würde ich mich gerne mal mit Alexander Zverev, Angelique Kerber oder Andrea Petkovic unterhalten. Sie sind international unterwegs, kennen das Geschäft, den Druck und auch die Einsamkeit, die mit diesem Sport zu tun hat. Man ist nur selten in eine Mannschaft eingebunden, auch wenn man sein kleines Netzwerk mit Coach und Physiotherapeut hat. Ich fände es spannend, mich mit diesen Spielern dazu in meinem ARD-Radiotalk bei HR3 auszutauschen.