Bosse: „Habe wieder richtig Bock auf Tennis“

Gestatten: Bosse, Axel Bosse. Der 39 Jahre alte Sänger und Songwriter performt nicht nur auf der Bühne energiegeladen, auch auf dem Tennisplatz ist er nicht zu stoppen. Wir sprachen mit dem gebürtigen Braunschweiger über gerissene Saiten und Tennisstunden mit Andrea Petkovic.

Sie haben uns ziemlich schnell die Zusage für dieses Interview gegeben, obwohl in den nächsten Wochen viele Konzerte anstehen. Ist Tennis also ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Absolut. Ich liebe Tennis, das war schon immer so! Einfach, weil es so eine intensive Angelegenheit ist, vor allem für den Kopf. Durch Tennis habe ich als Kind gelernt, Niederlagen wegzustecken und mich wieder aufzurichten. Außerdem hat Tennis auch etwas Soziales, bei Punktspielen fand ich es eigentlich immer am Schönsten, im Doppel mit jemandem zusammen etwas zu reißen.

Sie standen gerade für unser Fotoshooting auf dem Platz und haben ein paar Bälle geschlagen. Wie hat sich das angefühlt?

Ich habe, wenn ich ehrlich bin, 15 Jahre lang nur wenig gespielt. Seit kurzem habe ich aber wieder richtig Bock darauf und spiele jetzt ab und zu mit Freunden, die früher mal richtig gut waren. Ich fange also gerade wieder an und deswegen hat es mir sehr viel Spaß gemacht, hier mit jemandem auf dem Platz zu stehen, der auch einen Ball zurückschlagen kann. Ich glaube, ich muss mir bald eine Trainerin oder einen Trainer nehmen (lacht).

Es war eben eher kalt und regnerisch. Macht es Ihnen etwas aus, bei schlechtem Wetter draußen Sport zu machen?

Ich lebe in Hamburg und bin es gewohnt. Ich gehe jeden Tag joggen, bin draußen – auch bei Schnee. Ich brauche einmal am Tag eine Stunde frische Luft und Bewegung, um überhaupt klarzukommen, da finde ich Regen manchmal ganz gut.

Das Making of zum Interview

Welche Rolle spielt der Sport grundsätzlich in Ihrem Leben?

Sport ist für mich überlebenswichtig. Ich besitze eine Grundenergie und muss mich bewegen. Das Gefühl, sich auszupowern ist einfach unschlagbar. Joggen finde ich eigentlich stinklangweilig, aber, wenn ich auf Tour bin, ist es am praktischsten. Man braucht nur seine Schuhe und eine Hose, los geht‘s.

Viele Leute hören beim Joggen gerne Musik. Haben Sie auch eine Playlist, die Sie beim Sport abspielen?

Die Wahrheit ist: Wenn ich keine Musik mache, dann höre ich auch keine. Musik ist mein Beruf, den ich sehr mag. Aber für mich ist es entspannender, beim Laufen keine Musik zu hören.

 
„Durch Tennis habe ich als Kind gelernt, Niederlagen wegzustecken“

Bosse

Viele deutsche Musiker sind sehr tennisbegeistert. Sind Sie auch Teil dieser Community?

Es gibt tatsächlich so zwei, drei Leute, auch in Hamburg, die mich öfter mal fragen, ob ich Lust auf ein Match habe. Einige Musiker kochen extrem gerne, aber Tennis scheint in der Szene auch gerade wieder im Kommen zu sein. Die entdecken zurzeit, dass sie früher mal gespielt haben und fangen wieder an.

Sie waren bei der Fed Cup-Partie gegen Weißrussland in Braunschweig als Zuschauer zu Gast. Wie kam es dazu?

Ich bin in Braunschweig geboren, hatte den Fed Cup aber überhaupt nicht auf dem Schirm. Irgendwann schickte mir Andrea Petkovic eine Nachricht mit einem Bild von mir, das sie im Braunschweiger Rathaus, wo das Team zur Auslosung empfangen wurde, entdeckt hatte: ‚Ey Alter, du kommst doch aus Braunschweig, komm vorbei‘, hat sie geschrieben. Leider haben die Mädels ordentlich etwas einstecken müssen an dem Wochenende, trotzdem war das ein tolles Erlebnis. Ich hatte noch nie Fed Cup live miterlebt, auch wenn ich sonst schon viel Tennis geguckt habe in meinem Leben. Dieses Mannschaftsgefühl, das laute Publikum, die Partystimmung haben mir gefallen, das war geil.

Andrea Petkovic hat Ihnen per Videobotschaft in einer TV-Sendung eine Tennisstunde in Aussicht gestellt. Haben Sie inzwischen zusammen auf dem Court gestanden?

Nein, das hat noch nicht stattgefunden, weil wir beide superviel unterwegs sind und uns immer wieder verpassen. Ich habe aber grundsätzlich total Bock, mal mit ihr zu spielen. Ich finde Petko super nett und sehr schlau, vor allem ist sie aber eine tolle Tennisspielerin. Ich hätte also schon Lust, mir mal ein paar Bälle von ihr um die Ohren hauen zu lassen.

Wie ist der Kontakt zwischen Ihnen entstanden?

Tatsächlich über das Internet. Ich weiß es nicht mehr ganz genau – entweder weil sie meine Musik gut fand oder weil ich sie eben als Tennisspielerin so toll fand. Wir haben uns dann geschrieben, später auch getroffen und schnell gemerkt, dass wir uns gern mögen. Seitdem gibt es da so eine kleine Freundschaft.

 
„Zwischen mir und Petko gibt es eine kleine Freundschaft“

Bosse

Wie hat Ihre Liebe zum Tennis angefangen?

Ich bin auf dem Land großgeworden und fünf Dörfer weiter gab es einen Tennisclub. Und weil es sonst nicht viel zu tun gab, habe ich schon mit drei Jahren das erste Mal auf dem Platz gestanden. Ich habe dann viele Jahre richtig aktiv gespielt. Mein Vater hat sich damals sogar eine Bespannungsmaschine gekauft, weil ich die Bälle immer so hart geschnitten habe, dass die Darmsaiten an meinem Michael Chang-Schläger ständig rissen. Ich hatte teilweise vier, fünf Mal die Woche Training und habe jeden Tag gespielt. Ich war zwar nie kurz vor Profi, aber es war trotzdem irgendwie gut.

Offensichtlich mögen Sie Tennis auch heute noch. Was fasziniert Sie daran?

Beim Anschauen liebe ich diese Mischung aus Konzentration und Explosivität, aber auch die tollen Schläge und krasse Technik, die manche Profis haben. Beim Spielen geht es um den inneren Schweinehund und die psychische Balance, sich auf den Moment zu konzentrieren. Da finde ich durchaus Parallelen zur Musik. Es gibt auch auf der Bühne solche Drucksituationen, bei denen man dann plötzlich diesen Punkt erreicht, an dem man ganz eins mit sich ist und sich komplett unantastbar fühlt.

Schauspieler Tom Schilling sagt, beim Tennis denke er an nichts anderes als an das, was gerade zwischen diesen weißen Linien passiert. Würden Sie das auch so unterschreiben?

Ja, das ist wirklich so. Wenn man nicht ganz bei sich ist, dann funktioniert es auch nicht. Es gibt nicht so viele Dinge auf der Welt, die das mit einem machen. Nur Musik und Sport. Und Sauna vielleicht noch (lacht).

Hat Tennis Sie schon einmal zu einem Lied inspiriert?

Das nicht, aber das Durchhaltevermögen habe ich beim Tennis gelernt. Wenn ich einen Song schreibe, der nicht funktioniert, dann bekomme ich da so einen komischen Biss, den viele andere Musiker wahrscheinlich gar nicht haben. Ich bin bei meiner Band bekannt dafür, dass ich Sachen immer fertigmache, auch wenn es ein halbes Jahr dauert.

Ist Tennis etwas, das Sie Ihrer Tochter näherbringen möchten?

Ich habe mit meiner Tochter schon Tennis gespielt, meistens im Urlaub. Im Allgemeinen ist Sport einer der wichtigsten Bausteine in einem Kinderleben, da lernt man ganz, ganz viel im sozialen Bereich. Beim Sport und auch beim Tennis gilt: Egal, wo man herkommt, egal wer man ist, egal welche Voraussetzungen man hat – man spielt zusammen und hat Spaß. Das ist das Tolle am Sport, es ist ein Stück weit grenzenlos.

Interview-Highlights als Video

„Immer am Schönsten, im Doppel was zu reißen“

„Habe total Bock, mal mit Petko zu spielen“

„Es geht um den inneren Schweinehund“

„Beim Songschreiben kriege ich so einen besonderen Biss“